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02.12.2004 - 10:30

Mainz als Vorbild.

Von kobinet-Korrespondent Keyvan Dahesch Mainz (kobinet) Mainz gilt für behinderte Menschen als eine der barrierefreiesten Städte in Deutschland: «Die Busse und Straßenbahnen sind für alle Menschen ohne Hilfe zugänglich», sagt Rollstuhlfahrerin Marita Boos-Waidosch. «Es gibt viele Ampelanlagen mit hör- und fühlbaren Signalen». Zudem schufen hier nach dem Vorbild der USA Frauen und Männer mit unterschiedlichen Behinderungen eines der ersten Zentren zum selbstbestimmten Leben (ZSL) der Bundesrepublik. Boos-Waidosch, Behindertenbeauftragte der Stadt, zieht daher im Vorfeld des «Welttag der behinderten Menschen» am 3. Dezember eine positive Bilanz ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit seit 1993. Schon vor Aufnahme der Worte «niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden» in das Grundgesetzes (1994 in Artikel 3) hätten öffentliche Einrichtungen in Mainz Hindernisse aus dem Weg geschafft. Mit diesen Erfahrungen warb die sozial-liberale Landesregierung um Zustimmung für das Landesgleichstellungsgesetz, mit dem kontinuierlich die volle Teilhabe behinderter Menschen in der Gesellschaft verwirklicht werden soll. Heute bestreite niemand mehr die Notwendigkeit der jahrelang erkämpften Regelwerke, sagt der Landesbehindertenbeauftragte und Staatssekretär Richard Auernheimer (SPD). «Allerdings müssen noch viele Architekten, Planer und Konstrukteure von Sportplätzen, Theatern, Schwimmbädern, Bussen, Untergrund- und Straßenbahnen mit den Erfordernissen barrierefreier Produkte und Dienstleistungen vertraut gemacht werden», betont Marita Boos-Waidosch. Das ZSL in Mainz lieferte unter anderem Impulse zur Kampagne «Marsch aus den Institutionen - Reißt die Mauern nieder», mit der Pflegebedürftige bundesweit gegen Heimeinweisung kämpfen. Nach einer internationalen Konferenz in Mainz griff SPD-Sozialministerin Malu Dreyer die Forderung nach Unterstützung pflegebedürftiger Menschen in den eigenen vier Wänden auf: Das persönliche Budget wird Betroffenen zur Verfügung gestellt, damit sie sich selbst Hilfe organisieren können. Der Heimaufenthalt soll die Ausnahme werden. «Mit unserer Kampagne wollen wir alle Bundesländer zur Übernahme des rheinland- pfälzischen Modells animieren», beschreibt die Vorsitzende des Forums selbstbestimmter Assistenz (ForseA), Elke Bartz eines der Ziele der Kampagne. Auch die Spenden-«Aktion Mensch» unterstützt die Kampagne durch eine Förderung im Rahmen ihrer Aufklärungsmaßnahmen. Der Behindertenverband «Netzwerk Artikel 3» preist Mainz als Modell und verlangt von Städten und Landkreisen bundesweit, wie in der Landeshauptstadt am Rhein Betroffene als Behindertenbeauftragte zu berufen, damit sie mit eigener Erfahrung die Probleme lösen können. Das Netzwerk setzt sich derzeit zudem für eine Reform des Blindengeldes der Länder durch ein einheitliches Bundesleistungsgesetz ein. Ziel sei ein persönliches Budget als Blindengeld nach einem Bundesgesetz, erläutert der stark sehbehinderte Netzwerksprecher Ottmar Miles-Paul. «Dann müssten diese Menschen nicht immer wieder um die Zuwendungen zum Ausgleich blindheitsbedingter Nachteile bangen», sagt er mit Blick auf geplante Kürzungen in finanzknappen Ländern wie Niedersachsen oder dem Saarland. hjr 

 
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