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19.12.2004 - 13:00

Peter Singer salonfähig?.

Von kobinet-Korrespondentin Elke Bartz



Hollenbach (kobinet) Die jüngsten Auftritte des «Ethikers» Peter Singer in Heidelberg und Düsseldorf haben gezeigt, wie notwendig es ist, ihn und seine Sinnesgenossen nicht ungehindert walten zu lassen.

Hätten die kobinet-nachrichten und wenige andere Medien nicht rechtzeitig von Singers Auftritten erfahren und berichtet, wären diese von vielen unbemerkt über die Bühne gegangen. So haben wenigstens einige Protestschreiben, Presseveranstaltungen und eine kurzfristig organisierte Aktion in Heidelberg deutlich gemacht, dass Singers Thesen in Deutschland nicht widerstandslos verbreitet werden können.

Woran liegt es, dass die Proteste nicht noch wesentlich lauter waren und verhindern konnten, dass Singer wieder eine Plattform zu Verbreitung seiner menschenverachtenden Meinung gegeben wurde? Woran liegt es, dass die nordrhein-westfälische Behindertenbeauftragte Regina Schmidt-Zadel laut einem taz-Interview erst aus der taz von Singers Auftritten erfahren hat? Schläft die Behindertenbewegung, die vor einigen Jahren durch entsprechende Aktionen Singers Auftritt verhindern konnte?

Es mag verschiedene Gründe geben, dass Singer wieder eingeladen werden konnte. Ist es doch in den vergangenen Jahren etwas ruhiger um den Mann geworden, der das Lebensrecht von Affen über das von Menschen stellt. Wie gefährlich es ist zu glauben, dass er und seine Sinnesgenossen ihre Ansichten geändert hätten, haben Singers Auftritte wieder einmal bewiesen. Dass die Einladungen relativ spät bekannt wurden zeigt, dass sie wohl mehr in Insiderkreisen verbreitet wurden. Sicher, auf den Internetseiten waren sie nachzulesen. Doch wer schaut sich alle Internetseiten potenzieller Plattformbieter regelmäßig an? Öffentlich mehr Propaganda für Singers Auftritt zu machen, werden die Organisatoren vermieden haben, um nicht entsprechende Proteste selbst auszulösen.

Die Begründungen - oder Rechtfertigungen - der Organisatoren, man müsse über alle Themen diskutieren können, sind zynisch und verhöhnen behinderte Menschen. Es gibt nun mal Ansichten, die nicht diskutiert, sondern ausschließlich geächtet gehören.

Singers Thesen sind derzeit so gefährlich - wenn nicht sogar gefährlicher - wie eh und je. Gerade zu Zeiten, in denen behinderte Menschen wieder zunehmend zu Kostenfaktoren degradiert werden, finden sie schnell fruchtbaren Boden. Genährt wird dieser durch das Lamentieren von Politikern, die mittels «Sozialreformen» die Leistungen für behinderte Menschen zurückfahren wollen. Entwürfe von «Kommunalen Entlastungsgesetzen», die Leistungen für Behinderte und Jugendliche von den jeweiligen kommunalen Haushaltslagen abhängig machen wollen, schüren Stammtischmeinungen, dass sich «unnütze Fresser» mit dem zufrieden zu geben haben, was man ihnen als mildtätige Brocken hinschmeißt. Nein, noch werden Hilfen nicht völlig verweigert. Wenn es aber nur noch um billigst mögliche und nicht mehr um menschenwürdigste Unterstützung von Bürgerinnen und Bürgern geht, ist dies ein erster Schritt.

Singers Auftritte haben gezeigt, dass er und seine Gesinnungsgenossen nach wie vor aktiv sind und ihre Meinungen nicht revidiert haben. Es gilt also, sie verstärkt im Auge zu behalten und alles zu tun, dass sie ihr Gedankengut nicht weiter verbreiten können.
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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Christian Frodl schrieb am 19.12.2004, 20:07

Peter Singer in Heidelberg, Düsseldorf - Tötung be

Nun ist es wieder soweit. Peter Singer soll in Deutschland wieder salonfähig gemacht werden. Gleichzeitig wird kurz zuvor bekannt, dass in den Niederlanden bereits schwerstgeschädigte Neugeborene mit Zustimmung der Eltern im Krankenhaus getötet werden. Damit wird genau das praktiziert, was Singer propagiert.
Siehe dazu
www.kritischebioethik.de/deutschland_news-09-12-04-peter-singer-debatte-euthanasie.html

Und wo bleibt der Protest der Behindertenbewegung, der Kirchen, von Politikern? Und auch die deutschen Medien sind relativ schweigsam...Offenbar scheinen das Unglaubliche viele nicht glauben zu wollen. Oder haben alle schon längst resigniert angesichts der biopolitischen Entwicklung der letzten Jahre? Sicher, manche Entwicklung wird sich kaum aufhalten lassen. Aber es soll niemand sagen, er/sie habe von nichts gewußt! Nur wenn endlich ALLE an einem Strang ziehen, lässt sich manche Entwicklung vielleicht doch noch stoppen. Die Proteste von damals gegen Singer haben gezeigt, das es durchaus möglich ist. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass sich unsere Geschichte von vor 60 Jahren nicht bald schneller wiederholt, als wir glauben.

Christian Frodl
InteressenGemeinschaft kritsche Bioethik Deutschland
www.kritischebioethik.de

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