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30.10.2003 - 00:10

Mit Aids-Waisen tanzen und Rollirennen.

Berlin (kobinet) Vor seinem Afrika-Benefiz-Konzert am 6. November in Oberhausen hat Herbert Grönemeyer den «vergessenen Kontinent» selbst besucht. «Es geht bei GEMEINSAM FÜR AFRIKA nicht um Mitleid, sondern um ein Zeichen der Solidarität, um zwischenmenschliche Hilfe und um direktes Handeln», so erläuterte Grönemeyer in Berlin das Ziel der Kampagne (kobinet-nachrichten vom 29.10.2003). Als Botschafter der Aktion, zu der sich erstmals 26 deutsche Hilfsorganisationen zusammengeschlossen haben, besuchte der Sänger ein Projekt von CARE Deutschland für Aids-Waisenkinder in Nyagasozi, Ruanda. «Er kann tanzen wie ein echter Ruander - sogar ohne zu üben», sagte der 14-jährige Eric, der seit dem Tod seiner Eltern mit drei Schwestern alleine lebt und Grönemeyer mit mehr als 200 Leuten aus dem Dorf empfangen hat. 422.000 Waisenkinder leben als Folge des Völkermordes von 1994 und der raschen Ausbreitung von HIV/Aids in Ruanda, die meisten davon sozial isoliert in Kinderhaushalten oder auf der Straße. Hilfsarbeiten - Wasser holen, Feldarbeit und nicht selten Prostitution - werden zu Überlebensstrategien. 95 Prozent der Waisenkinder gehen nicht zur Schule und haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Die meisten kindlichen Familienvorständen sind Mädchen im Alter von 13 bis 19 Jahren. So auch Lilianne (17), die der Pop-Star aus Deutschland in ihrer Hütte am Dorfrand besuchte. Lilianne ist für die Ernährung und Erziehung ihrer drei jüngeren Geschwister verantwortlich. Auf einem kleinen Landstück baut sie Bananen an. Manchmal sind es genug, um sie zu verkaufen. Im Auftrag eines Nachbarn betreut Lilianne ein Schwein und eine Kuh im Tausch gegen den Dünger. Seit zwei Jahren werden Lilianne und ihre Geschwister durch CARE und durch eine ausgebildete freiwillige Patin aus dem Dorf betreut. Auf seiner Reise hat Grönemeyer auch das von der Christoffel-Blindenmission (CBM) geförderte Rehabilitationsprojekt in der Hauptstadt Kigali besucht. Höhepunkt war ein Rollstuhlrennen über Berg und Tal, dass nicht nur dem Besucher aus Deutschland viel Freude machte. In diesem Projekt werden vor allem Körperbehinderte, aber auch Seh- und Hörgeschädigte betreut. Es ist eines von 379 Projekten, die von der Christoffel-Blindenmission auf dem Kontinent gefördert werden. Sie wollte mit der gemeindenahen Rehabilitationsarbeit eine Vorreiterrolle beim Wiederaufbau der Gesundheitsversorgung übernehmen. Ihre Metallwerkstatt ist der einzige Ort in Ruanda, an dem Dreiräder und Rollstühle produziert werden. sch  

Fotos zum honorarfreien Abdruck unter www.stern.de/gemeinsam_fuer_afrika_presse  

 
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