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kobinet-nachrichten 30.12.2004 - 07:45
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Wie hält man sich einen Abgeordneten?

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Berlin / Wolfsburg (kobinet) Gestern Meyer, heute Viereck und Wendhausen und morgen …? fragt Rocky. Tun sich hier Finanzierungsquellen für Organisationen auf?

Voller Faszination blickt eine Nation auf ihre von ihr selbst gewählten Vertreter. Voller Faszination über die Unverfrorenheit und Instinktlosigkeit, mit der diese sich an allen möglichen Geldtöpfen bedienen. Natürlich alles völlig legal und ohne moralische Verwerflichkeit. Man leistet schließlich was im Dienste seiner Geldgeber. Und wenn mal ein paar Eurochen irrtümlicherweise auf dem Konto eingehen, fällt das in der Summe nicht auf, so dass es leider, leider auch nicht zu Rückzahlungen kommt.

Die Uhren gewisser Bundes- und Landtagsabgeordneter scheinen anders zu gehen als die des gemeinen Volkes. Abgeordnete, die ihren Job ernst nehmen, können gar keine Zeit mehr für lukrative «Nebentätigkeiten» haben. Anderseits: so viel Zeit muss in den Aufsichtsräten oder als Berater wo möglich gar nicht aufgebracht werden. Der gute Name macht´s. Es reicht, wenn die Geldbeutel gar lieblich klimpern und der ein oder andere Daumen je nach Gusto gehoben oder gesenkt wird. Und alle profitieren: die Konzerne und die Herren Abgeordneten. Nur das Volk, das guckt dumm. Aber das zählt schon lange nicht mehr.

Übrigens kann man noch getrost ausschließlich die männliche Form wählen, denn noch haben die Medien keine weiblichen Gunstbezieherinnen aufgetan. Sind Frauen etwa ehrlicher? Oder dümmer? Oder wird ihre Einflussnahme geringer eingeschätzt als die von Männern, so dass sich die Konzerne ihrer weniger bedienen?

Doch halt, warum mosern über mangelnden Instinkt oder Raffgier. Wenn das Laurenz-Meyer-Syndrom zur Epidemie wird (oder schon längst ist) tun sich zu Zeiten allgemeiner Mittelkürzungen ungeahnte Sanierungsmöglichkeiten für gemeinnützige Organisationen auf. «Schaut her, wie großherzig ich bin. Sofort nachdem es klar war, dass meine Nehmermentalität nicht auf breite Zustimmung stößt, habe ich einen Teil von den Einnahmen gespendet». Heute den Kinderchen (das macht sich immer besonders gut!), morgen den armen Behinderten, übermorgen dem Tierschutz. Es gibt genügend Möglichkeiten, die Mildtätigkeit und das gute Herz zu demonstrieren - wenn auch nicht unbedingt so ganz freiwillig. Geld stinkt schließlich nicht. Wenn das so wäre, könnte man durch das ein oder andere Parlament vermutlich nur mit der Gasmaske laufen.

Und manchmal guckt das Volk nicht nur dumm, sondern ist es auch. Sonst könnten «Schwarze-Geldkofferträger» und «brutalstmögliche Aufklärer» nicht weiter auf Wählerstimmen zählen und ungeschoren ihrer Ämter walten.

Fazit: Liebe Konzerne, haltet euch eure Lobbyisten, sucht euch Abgeordnete: Wir brauchen schließlich «freiwillige Spenden», damit die gemeinnützige Arbeit weiter gehen kann. Oder stinkt solches Geld doch?
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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Gerhard Bartz schrieb am 02.01.2005, 10:23

Transparenz bei Abgeordnetenbezügen

In einem Aufsatz im Jahr 2000 schrieb ich folgendes: "Wann wird es endlich so weit sein, dass Abgeordnete zusammen mit eng verflochtenen Lobbyisten genannt werden? Dann könnte man in der Zeitung folgenden Satz lesen: "Der Bundestagsabgeordnete Dr. M. (Verband der privaten Lebensversicherer) betonte zum wiederholten Mal, dass die gesetzliche Rentenversicherung in Kürze pleite und bis dahin mit enormen Beitragssteigerungen zu rechnen ist.".

Der vollständige Aufsatz ist unter der Adresse www.forsea.de/archiv/archiv_2000_06_sozialversicherung.shtml nachzulesen.

Dieses Thema sollte endlich auf die Tagesordnung kommen. Manch politisches Statement könnte dann besser eingeordnet werden. Falsche oder unvollständige Angaben über Art, Höhe und Herkunft der Zuwendungen müssen mindestens zum Verlust des Mandates führen, ohne dass der freigewordene Platz von einem Nachrücker besetzt werden kann. Auf diese Weise hat auch die jeweilige Fraktion ein gesteigertes Interesse daran, dass hier wirklich die Zuwendungen offen gelegt werden.

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