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kobinet-nachrichten
31.12.2004 - 11:45
URL: http://www.kobinet-nachrichten.org

Von kobinet-Korrespondentin Elke Bartz
Hollenbach (kobinet) Ronny Ziesmer und Uwe Meister haben eines gemeinsam: Nach Unfällen leben sie mit Behinderungen. Doch die Folgen müssen sie völlig unterschiedlich bewältigen.
Der schwere Sportunfall von Ronny Ziesmer hat im vergangenen Juli eine ganze (Sport)-Nation bewegt. Der 25-jährige Cottbuser und Deutscher Mehrkampfmeister ist seither hoch querschnittgelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen (siehe auch kobinet-nachrichten vom 23. November). Ziesmer, der bald Zukunftspläne schmiedete, wurde wegen seiner positiven Einstellung und seinem nicht abhanden gekommenen Kampfgeist schnell zum Sympathieträger.
Der Unfall löste eine wahre Solidaritätswelle aus. Ein Spendenkonto wurde eingerichtet, auf das laut der heutigen Hohenloher Zeitung (HZ) bisher rund eine halbe Million Euro eingegangen sei. Und die Sammelaktionen sind noch längst nicht beendet.
Ziesmer hat es geschafft, nicht aus dem Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit zu verschwinden, wie der heutige Bericht in der HZ - immerhin auf Seite 1 des Sportteils - beweist. Er wird sein Leben anders verbringen müssen, wie er es noch vor dem 12. Juli plante. Doch er blickt zuversichtlich in die Zukunft, plant derzeit sein Studium. Das kann er ohne finanzielle Sorgen tun, denn einerseits müssen die Versicherungen die finanziellen Unfallfolgen ausgleichen, andererseits helfen die Spenden. Und das ist gut so, denn es kostet ungeheure Energie, um jedes Hilfsmittel um die Kostenübernahme für Assistenz kämpfen zu müssen. Energie, die sinnvoller für das Studium und später das Berufsleben eingesetzt wird. Es erleichtert, sich mit der neuen Lebenssituation zu arrangieren, wenn wenigstens die finanzielle Last genommen wird. Und das sei Ronny Ziesmer von ganzem Herzen gegönnt.

Uwe Meister ist ebenfalls ein Kämpfer, allerdings einer, der nicht so stark im Rampenlicht der Öffentlichkeit steht. Wie Ziesmer gibt er nicht auf und versucht positiv in die Zukunft zu sehen. Doch das ist nicht ganz so einfach. Der 55-Jährige ist seit einem unverschuldeten Motorradunfall vor zweieinhalb Jahren ebenfalls schwerbehindert (siehe auchkobinet-nachrichten vom 28. Dezember). Für ihn hat niemand ein Spendenkonto eingerichtet, finden keine Benefizaktionen statt.
Allerdings gibt es auch beim ihm eine Versicherung - nämlich die des «Unfallgegners», die seine unfallbedingten Schäden ausgleichen müsste. Das sieht die Versicherung, die GVV, allerdings anders. Sie verweigert die Kostenübernahme. Wäre Meister prominent und würden sich die Scheinwerfer der Öffentlichkeit wie bei Ronny Ziesmer auf ihn richten, müsste er sich vermutlich nicht auf einen jahrelangen Rechtsstreit gegen die Unfallversicherung einlassen. Dann würde diese schon aus Angst vor Imageverlusten ihrer Verpflichtungen nachkommen. Uwe Meister kämpft weiter, denn er will wie Ronny Ziesmer eines Tages wieder ein normales Leben, auch mit Behinderung, führen.
Tobias Langohr schrieb am 01.02.2005, 17:49
Als Diplom Physiotherapeut und Spezialist für Sportmedizin und Sportwissenschaften kann ich leider nur das bestätigen... die wo unschuldig sind müssen am meisten leiden..und die das unglück suchen, werde Spendenrekormässig unterstützt! Der hochleistungssport hat sich leider in der Schiene der Agon verloren... und das wird auch noch vom Staat unterstüzt!
Eckhard Herholz schrieb am 04.01.2005, 16:17
Als Sportjournalist und persönlicher Berater und Freund habe ich mich des querschnittsgelähmten Turners Ronny Ziesmer angenommen. Erstens war es unheimlich schwierig unmittelbar nach Unfall und Olympia den Presseansturm abzuwehren, zweitens aber auch später die Öffentlichkeit für nachhaltige und lebenslange Hilfe für diesen Mann zuzulassen und gar gezielt zu nutzen. Ein Turner ist nun mal kein Fußballer in unserem Lande - da gibt es bekannt underhebliche "mediale Unterschiede" (?)!
Besonders aber ist Ronny in meinen Augen und für andere Gehandicapte ein wertvolles Vorbild: Wie dieser Mann von Anfang an sein zweites Leben gestalten WILL, kann anderen Betroffenen helfen, Mutlosigkeit gar nicht erst zuzulassen...!
Uwe Meister schrieb am 01.01.2005, 18:35
Ich wünsche Ronny Ziesmer von ganzem Herzen alles Gute und wünsche ihm, dass er seinen Weg zur Verbesserung seines derzeitigen Zustandes unbeirrt weiter verfolgt. Ich würde mich freuen, wenn es ihm möglich wäre, ein ganz normales Leben führen zu können. Es ist bewundernswert, wie u.a. seine Sportskameraden zu ihm stehen. Es macht mich besonders traurig, mit ansehen zu müssen, wenn gerade Kinder oder junge Menschen ein derartiges Schicksal erleiden. Durch die Willenskraft von Ronny habe sicher nicht nur ich, sondern auch viele Betroffene Kraft und Durchhaltevermögen geschöpft. Dieser junge Mann zeigt uns allen, dass es immer Hoffnung gibt.
Mach weiter so, Ronny Ziesmer, und alles alles Gute
Klaus Einert schrieb am 01.01.2005, 16:04
Ich finde es trotzdem nicht sehr anständig, mit treuherzigem Augenaufschlag die beiden tragischen Fälle gegeneinander auszuspielen.
Ronny Ziesmer ist sich dieser Problematik ja durchaus bewußt, wie man in der Berliner Morgenpost von ihm selbst lesen konnte.
andreas k. bittner schrieb am 31.12.2004, 16:41
Mit Interesse habe ich vor ca. einem Monat ein Interview / Gespräch in der Bild am Sonntag gelesen.
Ziesmer und Schäuble saßen beieinander und Papa Schäuble hat sich gleich der Sache und des Jüngeren angenommen. Bei mir persönlich hinterließ das Interview "irgendwie" einen komischen Nachgeschmack.
Dennoch: Vielleicht sollte Uwe Meister sich auch mal um einen solchen Mediencoup bemühen. Vielleicht hat Schäuble ja auch Lust zu einem Assekuranz-Gespräch - oder kann seinen Einfluß bei der GVV oder dem GDV, dem Gesamtverband der deutschen Verischerungswirtschaft geltend machen.
Jedenfalls, lieber Uwe Meister. Alles gute für 2005 und durchhalten!!
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