Marburg (kobinet) Die Äußerungen des deutschen Bundeskanzlers und seiner Justizministerin zur Biomedizin sind heute für Behindertenorganisationen wie die Lebenshilfe Anlass zur Sorge. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries und Bundeskanzler Gerhard Schröder sprachen sich gestern dafür aus, über die Grenzen der Gentechnik «neu zu diskutieren». Der Vorstoß der Justizministerin hin zu einem eingeschränkten Menschenwürdeschutz für den Embryo stehe in klarem Widerspruch zu dem Votum der vom Bundestag eingesetzten Enquetekommission zur Biomedizin, so Robert Antretter, Vorsitzender der Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung. Dort sei man mit Blick auf den menschlichen Embryo jeder willkürlichen Abgrenzung der Menschenwürdegarantie entgegengetreten. Deshalb fordert Antretter die Bundesregierung zur Zurückhaltung auf. Die Bundesregierung beschreite einen gefährlichen Weg, wenn sie die verfassungsmäßige Menschenwürdegarantie des Embryos in Frage stelle. Dieser umfassende Grundrechtsschutz dürfe nicht in einen Zusammenhang mit der Möglichkeit zur selbstbestimmten Lebensgestaltung gebracht werden. Die Lebenshilfe frage sich, «was solche Überlegungen perspektivisch für diejenigen bedeuten, die aufgrund von Krankheit oder schwerer Behinderung vollständig auf die Hilfe anderer angewiesen sind.» Die klaren und in der Sache begrüßenswerten Worte der Ministerin gegen die Präimplantationsdiagnostik und gegen jede Form des Klonens ändern nach Ansicht Antretters nichts daran, dass sich die Justizministerin ganz offen gegen den Bundestag stellt, wenn sie dessen Entscheidung für ein grundsätzliches Verbot der Stammzellforschung zur Diskussion stellt. sch