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kobinet-nachrichten 12.02.2005 - 08:00
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Mehr ambulante Hilfen in Hamburg

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Hamburg (kobinet) In Hamburg setzen die CDU-Sozialsenatorin Birgit Schnieber-Jastram und ihre Behörde für Soziales und Familie eindeutig auf mehr ambulante Hilfen für behinderte Menschen. Die Träger der stationären Einrichtungen sollen die Zahl der BewohnerInnen rasch um 30 Prozent verringern. Alle BewohnerInnen wurden in einem aufwendigen Verfahren in Hilfebedarfsgruppen eingeteilt und die Menschen in den Gruppen mit niedrigem Hilfebedarf sollen nach Auffassung der Sozialbehörde zukünftig ambulant versorgt werden. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit Gerlef Gleiss, Mitarbeiter der Beratungsstelle für behinderte Menschen von Autonom Leben Hamburg über diese Entwicklung: kobinet-nachrichten: Wie beurteilen Sie als langjähriger Mitstreiter der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung diese Entwicklung? Gerlef Gleiss: Zunächst freut es mich uneingeschränkt, dass auf die Betreiber der Heime und Wohngruppen durch die CDU-Regierung ein großer Druck ausgeübt wird, ihre Hilfeangebote gründlich zu überdenken und zu ändern. Wir von Autonom Leben oder die behinderten Menschen selbst haben ja leider nicht die Kraft dazu. Die Hamburger Landschaft der stationären Behindertenhilfen sieht zwar schon seit Jahren viel menschenfreundlicher aus als in den anderen Bundesländern. Große Anstalten gibt es kaum noch. Aber auch die kleine, übers Stadtgebiet verteilte Wohngruppe darf nicht das letzte Wort bleiben. Auch dort gibt es keine Selbstbestimmung. Und der Druck, den die Sozialbehörde zurzeit für eine weitere Ambulantisierung ausübt, ist wirklich beachtlich. Der im Dezember 2004 von der Bürgerschaft verabschiedete Doppelhaushalt für die Jahre 2005/2006 geht schon von 30 Prozent weniger Wohngruppenbewohnern aus und der vorgesehene Betrag für die stationäre Eingliederungshilfe wurde um 12 Millionen Euro gekürzt. Mindestens zehn MitarbeiterInnen wurden aus anderen Bereichen der Sozialbehörde abgezogen und bilden nun seit Februar eine Abteilung, deren einzige Aufgabe darin besteht, BewohnerInnen aus stationären Einrichtungen herauszuholen und beim Wechsel in den ambulanten Hilfebereich zu unterstützen. Und schon an ihrem zweiten Arbeitstag war diese Arbeitsgruppe bei uns in der Beratungsstelle zu einem Informationsgespräch. kobinet-nachrichten:Neben dieser Freude, wo liegen Ihre Bedenken? Gerlef Gleiss: Auch dafür genügt ein Blick in den eben erwähnten Haushaltsplan: Es sollen zwar im stationären Bereich 12 Millionen Euro eingespart werden, aber für die ambulante Eingliederungshilfe sind nur 3 Millionen Euro mehr vorgesehen. Es stimmt zwar, dass behinderte Menschen, wenn sie ambulant versorgt werden, Hilfen auch aus anderen Töpfen, wie Grundsicherung oder Pflege erhalten können, aber die Sozialbehörde verstärkt diese Ambulantisierung nicht zuletzt, um Geld bei den Behindertenhilfen zu sparen. Ich habe die große Befürchtung, dass diese Ambulantisierung dazu führt, dass viele behinderte Menschen in die ambulante Versorgung gelockt, gedrängt oder gestoßen werden und dann dort ohne bedarfsgerechte Hilfen auskommen müssen, und dass die behinderten Menschen, die sehr viel Assistenz benötigen, in den stationären Einrichtungen verbleiben müssen, dort keine Eingliederungshilfe mehr bekommen und zu Pflegefällen erklärt werden. Wir von Autonom Leben müssen daher höllisch aufpassen, dass wir weder von den Trägern der Einrichtungen, die nur zu gern unsere Befürchtungen aufgreifen, noch von der Sozialbehörde für Ziele benutzt werden, die nicht die unseren sind. kobinet-nachrichten: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg. (Das Interview führte kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul) 

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