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kobinet-nachrichten 16.02.2005 - 10:00
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Lichtblick mit Fragezeichen

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Kommentar von kobinet-Redakteurin Elke Bartz Mulfingen (kobinet) Mit großem Interesse habe ich die Ergebnisse des Gespräches zwischen behinderten Menschen und dem Landesdirektor des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen (LWV), Lutz Bauer, verfolgt. Allein schon die Tatsache, dass dieses Gespräch zwischen KritikerInnen der traditionellen Behindertenarbeit und der Leitung einer großen Sozialbehörde stattgefunden hat, ist ein Lichtblick. Dies zeigt einerseits, dass die Kampagne «Marsch aus den Institutionen - Reißt die Mauern nieder» nach gut fünf Monaten an Fahrt gewinnt und langsam aber sicher in die höheren Etagen der Verwaltungen vordringt und erste Spuren hinterlässt. Andererseits ist es auch ein Hoffnungsschimmer, dass behinderte Menschen und ihre Kritik an der herkömmlichen Behindertenhilfe besser gehört und ernster genommen werden. Dies ist äußerst positiv zu bewerten zumal einige Aussagen des Landesdirektors des LWV in der gemeinsamen Erklärung wie Balsam auf die Seelen derjenigen wirkt, die das immer wiederkehrende Geschrei nach neuen Behinderteneinrichtungen und die Zweifler an ambulanten Alternativen leid sind. Die klaren Aussagen für die verstärkte Förderung des Betreuten Wohnens und die Stärkung der Selbstbestimmung, sowie für die Persönliche Assistenz des Landesdirektors lassen hoffen. Es gibt jedoch auch ein paar Fragezeichen, die bei genauerem Nachdenken bleiben. Erstens drängt sich mir als eine, die selbst einen hohen Assistenzbedarf hat, die Frage auf, ob Menschen mit einem hohen Unterstützungsbedarf auch wirklich die Chance bekommen, in der Gemeinde anstatt in Behinderteneinrichtungen leben zu können und dort die nötige Unterstützung zu bekommen. Denn allzuoft bleiben diese Menschen in der «Selbständigkeitsfalle» stecken und werden nicht zu den sogenannten Fitten gezählt, denen ein Leben in der Gemeinde zugetraut wird. Doch genau daran, ob es gelingt, auch Menschen mit einem hohen Unterstützungsbedarf ein möglichst selbstbestimmtes Leben in der Gemeinde zu ermöglichen, muss sich die Behindertenhilfe und Behindertenpolitik messen lassen. Es bleibt auch zu fragen, ob der Landesdirektor, der im Sommer in den Ruhestand treten wird, seine Verwaltung mit dem Geiste seiner Aussagen infizieren konnte, so dass weiterhin auch wirklich die Taten folgen können, die in den Aussagen des Landesdirektors anklingen. Die Tatsache, dass dieses Gespräch erst in einer Phase zustande kam, da der LWV enorm unter Druck geraten ist und es auch Kritik von den Betroffenen hagelte, muss dabei ebenfalls in Betrachtung gezogen werden. Doch vielleicht steckt hier in der Krise, wie so oft, auch gerade die Chance? Was dieses Beispiel auf jeden Fall zeigt, ist dass es Sinn macht und auch Früchte trägt, wenn wir uns als behinderte Menschen einmischen, das herkömmliche, meist noch erheblich von Aussonderung und Bevormundung geprägte System herausfordern und keine Angst vor «großen Tieren» zeigen. Denn nur, wenn es normal geworden ist, dass wir behinderten Menschen selbst als gleichberechtigte PartnerInnen in den Amtsstuben ein- und ausgehen, wird wirklich verstanden werden, worum es uns geht und dass die Zeit wirklich für ein Leben behinderter Menschen in der Gemeinde reif ist. Das Gespräch der Behindertenvertreter mit dem Landesdirektor des Landeswohlfahrtsverbandes war hierfür ein guter und erfolgversprechender Anfang, weitere Taten müssen nun folgen. 

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