
Stuttgart (kobinet) Bei der Hilfe für behinderte Menschen will der seit Jahresbeginn tätige Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden- Württemberg (KVJS) das Prinzip «ambulant vor stationär» konsequent verwirklichen. Um die dauerhafte Finanzierung dieses Hilfesystems zu gewährleisten, müssten verstärkt neue Wege beschritten werden, sagte der Vorsitzende des KVJS, Landrat Karl Röckinger aus Pforzheim, am Donnerstag vergangener Woche vor der Landespresse in Stuttgart. Gegenwärtig erhalten 44.200 behinderte Menschen in Baden-Württemberg von den Stadt- und Landkreisen Leistungen der Eingliederungshilfe. Die Stadt- und Landkreise müssen hierfür 2005 rund eine Milliarde Euro bereitstellen, was angesichts der prekären Finanzsituation der Kommunen immer schwieriger wird. 20.800 behinderte Menschen werden stationär versorgt, nur 6.300 Personen befinden sich in ambulanter Betreuung. «Ein krasses Missverhältnis», konstatierte der Verbandsvorsitzende, das gravierende finanzielle Auswirkungen habe. Die durchschnittlichen jährlichen Kosten betragen pro Person stationär 45.100 Euro, ambulant jedoch nur 12.000 Euro. Ohne die vom KVJS angestrebten Änderungen im Hilfesystem müssten jährlich mindestens 40 Millionen Euro zusätzliche öffentliche Mittel bereitgestellt werden. Dabei gehe es nicht darum, eine «undifferenzierte Rotstiftpolitik» zu verfolgen. Entscheidend sei vielmehr ein prinzipielles Umdenken, so Röckinger. «Wir müssen künftig in weiten Bereichen das Konzept ‚Soviel Hilfe wie nötig' noch mehr als bisher verfolgen, insbesondere dadurch, dass wir die Selbsthilfekräfte fördern. Nicht das Handicap darf im Mittelpunkt der Bemühungen stehen, sondern wir müssen uns mehr als bisher auf die Entwicklung und Förderung vorhandener Fähigkeiten und Fertigkeiten jedes einzelnen behinderten Menschen konzentrieren.» Mittelfristig strebe der Kommunalverband an, den Prozentsatz der behinderten Menschen, die ambulant versorgt werden können, deutlich zu steigern. sch www.kvjs.de