
Von kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul Berlin (kobinet) So hoffnungsvoll der Titel der Tagung war, zu der das Bundesfamilienministerium am Donnerstag und Freitag in die Berliner Auferstehungskirche eingeladen hatte, so nüchtern endete sie auch. Mit dem Motto «Neue Betreuungs- und Wohnformen und Heimgesetz» verbanden mehr als 200 TeilnehmerIinnen und Teilnehmer ganz unterschiedliche Erwartungen. Während die Tagung mit guten und hehren Worten von Staatssekretär Peter Ruhenstroth-Bauer mit Begriffen wie Selbstbestimmung und Teilhabe, sowie mit dem anvisierten Paradigmenwechsel begann, wurde doch recht schnell deutlich, dass sich der derzeitige Handlungsspielraum seines Ministeriums in unserem föderalen System hauptsächlich auf die Durchführung von Modellen beschränkt. So erschienen die von Klaus Großjohann, dem Geschäftsführer des Deutschen Kuratoriums Altenhilfe, geschilderten Wohnprojekte zwar charmant und zukunftsweisend, jedoch eher als kleine Pflänzchen auf einer von traditionellen Alten- und Pflegeheimen dominierten riesengroßen Wiese. Über 700.000 ältere Menschen leben derzeit in Alten- und Pflegeheimen und davon noch über die Hälfte in Doppelzimmern. 66 Prozent der Befragten einer repräsentativen Umfrage wollen jedoch lieber daheim als im Heim leben. Da mochte dann auch der Seniorenschutzbund Graue Panther die Menschenrechtsverletzungen in Einrichtungen monieren, das Forum selbstbestimmter Assistenz darauf hinweisen, dass ältere Menschen am besten erst gar nicht in die Heime marschieren sollten und man hier viel von den hoffnungsvollen Modellen der Behindertenhilfe lernen könne, dies ging eher in der von Einrichtungsträgern und VertreterInnen der Heimaufsicht dominierten Tagung unter. Trotz einiger hoffnungsvoller Ergebnisse der fünf Arbeitsgruppen, wie zum Beispiel der geforderte Baustopp für Einrichtungen in der Alten- und Behindertenhilfe mit dem Ziel der eindeutigen und konsequenten Stärkung der ambulanten Alternativen, so war dies eher eine Randerscheinung. Denn die Abschlussdiskussion, an deren Tisch kein Betroffener vertreten war, was von Elke Bartz vom Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen auch heftig kritisiert wurde, befasste sich dann damit, dass es angesichts der schlechten Umfragewerte für Altenheime nötig sei, eine Imagekampagne für diese zu starten. Herr Größmann von der Heimaufsicht des Regierungsbezirks Gießen philosophierte sogar darüber, dass die Heimaufsicht nicht immer die negativen Beispiele in den Heimen in den Vordergrund ihrer Berichte stellen sollte. Außer Spesen also nichts gewesen, könnte man sich jetzt nach der Tagung fragen. Nein, denn den VertreterInnen der Behindertenbewegung, die an dieser Tagung teilgenommen haben, dürfte eins klar geworden sein. Während diese sich früher oft gegen ihre Eltern und damit gegen eine überbehütete und entmündigende Art und Weise des Umgangs mit Behinderung emanzipieren mussten, müssen sie sich jetzt auf die Seite ihrer Eltern stellen, um dagegen vorzugehen, dass ihre Eltern und letztendlich auch sie von diesem entmündigenden System im Alter erreicht werden. Herr Großjohann wies darauf hin, dass in Zukunft Investitionen von über 13 Milliarden Euro für Heimplätze im Altenbereich anstünden. Dieses Geld darf auf keinen Fall dafür eingesetzt werden, sondern muss in alternative Modelle fließen, darin waren sich die anwesenden Betroffenen einig. sch