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kobinet-nachrichten 28.02.2005 - 13:03
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http://www.kobinet-nachrichten.org

Presse soll Behinderte nicht länger diskriminieren

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Bonn (kobinet) Am kommenden Mittwoch (2.3.) will sich der Deutsche Presserat bei seiner turnusmäßigen Tagung in Bonn mit der Aufnahme eines Diskriminierungsverbots behinderter Menschen in den Pressekodex befassen. Dies fordert jetzt auch der Arbeitsausschuss des Deutschen Behindertenrates (DBR), der sich damit der «Initiative Ziffer 12» angeschlossen hat, die von Dr. med. Dipl.-Psych. Henning Schmölder koordiniert wird.

Diese Initative, den Pressekodex in Ziffer 12 um den Zusatz eines Benachteiligungsverbots Behinderter zu ergänzen, wird unterstützt von Behindertenverbänden wie dem Allgemeinen Behindertenverband in Deutschland (ABiD), dem Berliner Behindertenverband (BBV), dem Netzwerk Artikel 3, der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen, der Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam leben Gemeinsam lernen und der Landesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte Bremen. Der Forderung haben sich u.a. auch der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Karl Hermann Haack (SPD), der behindertenpolitische Sprecher der CDU/CSU Bundestagsfraktion, Hubert Hüppe, der PDS-Vorsitzende Lothar Bisky, Daniel Bahr, Sprecher für Pflege- und Behindertenpolitik der FDP-Bundestagsfraktion, Dr. Peter Widmann vom Zentrum Antisemitismusforschung der TU Berlin, und der Bundesvorstand der Gesellschaft Katholischer Publizisten angeschlossen. Der Geschäftsführer des Presserats, Lutz Tillmanns, hatte daraufhin bereits im vergangenen Jahr eine entsprechende Überarbeitung des Pressekodex in Aussicht gestellt.

«Mehr als zehn Jahre nach der Grundgesetzergänzung, dass niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden dürfe, ist es mehr als unverständlich, dass ausgerechnet dieser Diskriminierungstatbestand im Pressekodex ignoriert wird», erklärt hierzu der BBV-Vorsitzende Dr. Ilja Seifert. In der Presse werde oft unbewusst in diskriminierender Weise über Menschen mit Behinderungen berichtet. Eine Selbstverpflichtung im Pressekodex solle dazu anregen, bestimmte Äußerungen zu vermeiden, die auf den ersten Blick als eingängige Bilder erscheinen mögen aber behinderte Menschen als «ständig leidende Objekte» darstellen. «Das verstellt den Blick auf uns, auf unser Leben mit all seinen Facetten», sagte Seifert.

Journalisten sollen sich dazu verpflichten, in nichtdiskriminierender Form über Menschen mit Behinderungen und/oder chronischen Erkrankungen zu berichten. Insbesondere sollen nicht immer wieder die abgegriffenen Bilder von «an den Rollstuhl Gefesselten» oder «unter ihrer Krankheit Leidende» benutzt werden. Ebenso soll eine leichte Sprache verwendet werden, die auch von Menschen mit Lernschwierigkeiten verstanden wird. Ferner fordern Behinderte von der Presse den Verzicht auf abwertende Vergleiche. Menschen mit Behinderungen wollen von Journalisten nicht mehr automatisch gedutzt werden.

In einem offenen Brief hat sich Dr. Schmölder, der Vater eines autistisch behinderten jungen Mannes ist, an den Vorsitzenden des Trägervereins des Deutschen Presserates, Herrn Fried von Bismarck (Verlagsleiter Spiegel) sowie an Frau Dr. Ilka Desgranges, Sprecherin des Deutschen Presserates und Vorsitzende des Plenums (Saarbrücker Zeitung) gewandt. Darin fordert er den Presserat nochmals auf, endlich das erwartete Zeichen zu setzen. «Zeigen Sie mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung, dass Sie gewillt sind, das Leben mit den unterschiedlichsten Beeinträchtigungen als erfülltes Leben, als einen Gewinn für Alle darzustellen. Menschen mit Behinderungen, ihre Angehörigen und Helfer, verdienen mehr positive Anerkennung und Zuspruch und weniger - meist ungewollte und unbeabsichtigte - Diskriminierung in ihrem Bemühen, ein ganz normaler Teil der Gemeinschaft aller Bürger zu werden und zu bleiben», so Dr. Schmölder. Zuletzt hatte er auf diskriminierende Äußerungen im Spiegel und im Berliner Tagesspiegel aufmerksam gemacht (kobinet-nachrichten 10.02.2005). hjr
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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Dr. Henning Schmölder schrieb am 01.03.2005, 09:07

Endspurt - liebe Leute!

Ein Fax oder eine email (bis zum 2. März morgens) an den
Deutschen Presserat:

(mit der Bitte, den Pressekodex Ziffer 12 so zu ergänzen, dass Behinderte dort ebenfalls Erwähnung finden)

Herrn Lutz Tillmanns
Geschäftsführer des
Deutschen Presserates
email: info@presserat.de
Fax: 0228 - 985 72 - 99

Jeder, der noch mitmacht, kann sich mit uns freuen, wenn´s dann geklappt hat!

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