
Neuwied (kobinet) Die ersten Pflegebedürftigen im Landkreis Neuwied erhalten seit dem 1. März das Persönliche Pflegebudget. Dies teilte die rheinland-pfälzische Sozialministerin Malu Dreyer mit. «Das Persönliche Pflegebudget ermöglicht den Menschen eine zielgerichtetere und individuellere Auswahl der Hilfen und Unterstützungsleistungen», so die Ministerin. Damit trage das Persönliche Pflegebudget nicht nur zu mehr Wirtschaftlichkeit in der Pflege, sondern auch zu mehr Selbstbestimmung für pflegebedürftige Menschen bei. Der Landkreis Neuwied ist die einzige rheinland-pfälzische von bundesweit sieben Modellregionen, in denen das Persönliche Pflegebudget erprobt wird. Die Praxisphase startet mit 22 Budgetempfängerinnen und -empfängern für die Dauer von vier Jahren. Das Pflegebudget ist ein neues Angebot der gesetzlichen Pflegeversicherung, das Pflegebedürftigen mehr Raum für eigene Entscheidungen und Selbstbestimmung bei der Inanspruchnahme der gewünschten Unterstützungsleistungen und Hilfen gibt. Es ist nicht zu verwechseln mit den (trägerübergreifenden) Persönliuchen Budgets, die sich derzeit bundesweit in der Erprobungsphase befinden. Mit den Pflegebudgets sollen die Pflege und Betreuung zu Hause bedarfs- und bedürfnisgerechter gestaltet werden, unterstrich die Ministerin. Das Budget ermögliche es den Projektteilnehmerinnen und -teilnehmern, Leistungen von unterschiedlichen Anbietern in Anspruch zu nehmen, von anerkannten professionellen Pflegediensten wie auch von Nachbarn und Freunden. Die Beispiele für Unterstützungsleistungen reichen vom Einkauf über die Reinigung der Wohnung bis hin zur Begleitung beim Spaziergang. Beim jetzigen System sind Pflegebedürftige bei der Inanspruchnahme von Sachleistungen auf bestimmte Leistungen der Pflegedienste festgelegt. Mit dem Persönlichen Pflgebudget können sie wählen, welche Hilfen und Unterstützung sie sich einkaufen wollen. «Dies stärkt vor allem den Vorrang ambulanter vor stationären Hilfen, da die Wünsche und Bedürfnisse der zu Hause lebenden Pflegebedürftigen stärker berücksichtigt werden können», so Malu Dreyer. Dies sei auch ein wesentliches Ziel ihrer Initiative «Menschen pflegen», so die Ministerin. Eine wichtige Rolle in dem Konzept spiele der Case-Manager (Fall-Manager), der dem Pflegebedürftigen Orientierung biete, um sich in der neuen Wahlfreiheit zurechtzufinden. Er berate und betreue die Bezieherinnen und Bezieher des Persönlichen Pflegebudgets und überwache auch die Qualität der angebotenen Leistungen. Im Landkreis Neuwied würden die Teilnehmer am Pflegebudget von drei Fall-Managerinnen betreut, wobei zur Zeit etwa 200 Pflegebedürftige in der Modellregion die Voraussetzungen für Leistungen des Pflegebudgets erfüllen. Ihre Aufgabe werde es sein, den Hilfe- und Betreuungsbedarf der Budgetnehmer zu erheben und sie bei der Suche nach dem individuellen Pflegebedarf entsprechenden Hilfen zu unterstützen. «Da die Zahl der pflegebedürftigen Menschen auch in Zukunft steigen wird, ist eine Weiterentwicklung der Pflegeversicherung dringend notwendig, um diese wichtige Säule des sozialen Sicherungssystems zukunftsfest zu gestalten. Das Instrument des Persönlichen Pflegebudgets kann hier einen wichtigen Beitrag leisten», erklärte Malu Dreyer. omp