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11.03.2005 - 13:13

Wieder ein neues Behindertenheim in Frankfurt.

Frankfurt a.M. (kobinet) Der Bau eines weiteren Behindertenheimes wurde heute im Frankfurter Stadtteil Nieder-Erlenbach, in der Mecklenburger Straße 12 begonnen, berichtet die Frankfurter Neue Presse. Der 2,7 Millionen teure Heimneubau der Behindertenhilfe Frankfurt des Internationalen Bundes (IB) soll bis Herbst 2006 fertiggestellt sein. Das hessische Sozialministerium ist nach Angaben der Zeitung an dem Projekt mit 615.000 Euro beteiligt, 1,2 Millionen Euro trägt der Landeswohlfahrtsverband (LWV) Hessen, die Aktion Mensch finanziert einen Zuschuss von 271.975 Euro, und der IB trägt einen Eigenanteil von 614.000 Euro.

Wie es heißt, sollen in den sechs Wohngruppen des Heims 30 Menschen mit sogenannten «geistigen» und «körperlichen» Behinderungen leben. Damit kein «abgeschlossenes» Heim entstehe, kündigte der Leiter der Frankfurter IB-Behindertenhilfe, Ulrich Holzapfel, «kulturelle und sonstige Veranstaltungen und Projekte» an, bei denen die Bewohner «zeigen können, was sie in den einzelnen Werkstätten (Kerzen, Holz, Garten, Musik) tüfteln und gestalten». Es werde auch einen Grillplatz, eine Halle für öffentliche Veranstaltungen und ein kleines Gartenzimmer geben.

Der Landesdirektor des hessischen Landeswohlfahrtsverbandes, Lutz Bauer, wies auf das Ziel hin, in Hessen bis 2008 den Anteil des betreuten Wohnens von 36 auf 50 Prozent zu erhöhen. Die Frankfurter Stadträtin Lili Pölt (SPD) freut sich, dass dieses Wohnheim nun endlich gebaut werde, da Plätze geschaffen werden müssten, damit behinderte Menschen «in ihrem Herkunftsort bleiben können».

Die Frankfurter Behindertenarbeitsgmeinschaft (FBAG) hatte am 18.05.2004 in einer gemeinsamen Erklärung den Magistrat der Stadt aufgefordert, dafür Sorge zu tragen, dass keine behinderten Menschen gegen ihren Willen in Heime oder heimähnliche Einrichtungen ausgesondert werden (kobinet-nachrichten 18.05.2004). Die Einrichtung sogenannter Wohnheime für behinderte Menschen wurde von der FBAG ausdrücklich missbilligt.

Stattdessen war ein «Moratorium der Neueinrichtung und Erweiterung von Heimen und heimähnlichen Einrichtungen für behinderte Menschen» vorgeschlagen worden, da jede Selektion und Separierung von Menschen mit Behinderungen in Heime oder heimähnliche Einrichtungen die Würde und das Recht zu einem selbstbestimmten Leben missachte und verletze. Die Behindertenvertretung in Frankfurt hatte in diesem Zusammenhang mehr barrierefreie Wohnungen in der Stadt sowie den Ausbau der Beratungsstellen für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen gefordert. hjr
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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

nuran ede schrieb am 02.11.2008, 22:53

Notwendig

Da es in Frankfurt und Umgebung zu wenige Behindertenheime gibt , ist es dringend notwendig daß weitere Einrichtungen erstellt werden. Die Behinderten brauchen aufgrund ihrer Krankheiten spezielle pädagogische Betreuung , die sie in herkömmlichen Pflegeheimen nicht bekommen können. Dies wird leider zu oft unterschätzt.

Manfred Keitel schrieb am 31.03.2005, 10:29

Unglaublich

Es ist erschreckend, daß in Zeiten angeblich leerer Kassen der Bau von Aussonderungsanstalten betrieben wird. Wo bleibt der Aufschrei von Politik und Wirtschaft, daß mit dem Personalschlüssel der Anstalten Arbeitsplätze vernichtet werden und die Erwerbslosenzahlen weiter steigen, wo das doch eines der Lieblingsthemen der Zeit ist? Grundbedürfnisse und Willenserklärungen von Menschen mit Behinderung werden wieder einmal mit Füßen getreten. Es bleibt zu hoffen, daß Einrichtungen wie "Aktion Mensch" wieder das Ruder herumreissen und einen emanzipatorischen Kurs fahren. Das Errichten solcher Häuser ist im höchsten Maße verantwortungslos!

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