
Brandenburg (kobinet) Zwei stark sehbehinderte junge Männer aus Brandenburg wollen am 28. und 29. März innerhalb von 34 Stunden Deutschland mit der Bahn durchqueren und dabei in jedem Bundesland Station machen. Mehr über die Tour mit seinem Freund Daniel Bergmann berichtet heute im kobinet-Interview Martin Rauhut. kobinet-Nachrichten: Am Ostermontag geht's zwischen Berlin und Dresden um einen Rekordversuch auf der Bahn. Was ist das Besondere an diesem Abenteuer auf dem Schienenstrang? Martin Rauhut: Zunächst geht es um die Aktion als solche. Eine Fahrt in dieser Form hat noch niemand durchgeführt. Da wir schon seit langer Zeit auf der Suche nach einer «richtigen Herausforderung» waren, haben wir uns entschlossen, dieses Projekt in die Tat umzusetzen. Zudem wollen wir ein Zeichen setzen, dass wir als Sehbehinderte mit dem Verkehrsträger Bahn vertraut sind und sehr gut zurechtkommen. Auch wenn wir nie einen PKW fahren können, sind wir jederzeit in der Lage, jeden Ort in der Republik zu erreichen. Letztlich bleibt für uns noch die allgemeine Freude an der Fahrt. Wir sind beide schon seit frühester Kindheit «Eisenbahn-Freaks» und widmen unsere Freizeit allem, was auf der Schiene fährt oder damit zu tun hat. Auch ist uns daran gelegen, für die Bahn einige positive Schlagzeilen zu erwirken. Gemeckert wird im Volk immer viel. Als Vielfahrer wissen wir aber, dass eine prozentual hohe Zuverlässigkeit der Bahn gegeben ist. kobinet-Nachrichten: Quer durch Deutschland in 34 Stunden - da müssen die Fahrzeiten der Züge genau eingehalten werden. Wie haben Sie die Umsteigezeiten auf Bahnhöfen geplant? Martin Rauhut: Das Blättern in den Kursbüchern haben wir für das Projekt irgendwann aufgegeben. Um hieraus die notwendigen Fahrplandaten zu nehmen, war unsere Netzkenntnis in den «heimatferneren» Gebieten einfach zu schlecht. Wir sind dann auf elektronische Medien umgestiegen. Hierfür haben wir uns die Etappenziele in eine sinnvolle Reihenfolge gepackt und die Verbindungen ermittelt. Zunächst galt alle Aufmerksamkeit dem Umstand, einen nächtlichen Aufenthalt zu vermeiden. Der hätte zuviel Zeit gekostet. Es musste ein Zug gefunden werden, der in den Nachtstunden verkehrt und möglichst viele Landeshauptstädte erreicht. Alles was davor und danach noch zu fahren war, musste dem angepasst werden. Die Aufenthalte auf den Bahnhöfen ergaben sich entsprechend. Uns bleibt natürlich nichts anderes übrig, als auf eine «absolute Einhaltung» der Fahrpläne zu hoffen. kobinet-Nachrichten: Reisende im Rollstuhl kritisierten jüngst, dass auf Bahnhöfen Ein- oder Ausstiegshilfen fehlen. Wie kommen Sie als Sehbehinderte zurecht? Martin Rauhut: Grundsätzlich ist dazu zu sagen, dass Rollstuhlfahrer hier natürlich wenig Ausweichmöglichkeiten haben. Blinde und Sehbehinderte können sich im «Zweifelsfalle» an andere Reisende wenden, wenn Hilfe zum Umsteigen oder dergleichen nötig ist. Ansonsten teilen wir diese Problemsicht. Der Mobilitätsservice wird angepriesen, dass mit dessen Inanspruchnahme behinderten Reisenden eine erschwernisfreie Reisekette geboten werden könne. Die Erfahrung zeigt aber, dass selbst Bahnhöfe mit kleinerer bis mittlerer Knotenpunktfunktion ganz oder teilweise ohne Servicepersonal sind. Das ist ein Problem für Rollstuhlfahrer, für blinde und sehbehinderte Reisende und genau genommen auch für jeden anderen Rat oder Hilfe suchenden Fahrgast. (Das Gespräch führte Franz Schmahl)
Frank Winkel schrieb am 30.03.2005, 17:54
Es stimmt, dass Sehbehinderte in der Lage sind, mit der Bahn jeden Ort zu erreichen. Aber durch die Umwandlung der IR- in IC-Züge ist es aber dennoch deutlich schwieriger geworden, da und uns die Freifahrt in den IC-Zügen verweigert wird.
Zum Beispiel gilt der VBB-Tarif in Berlin und Brandenburg auf einigen Abschnitten auch im IC. Während VBB-Ticket-Inhaber, die auch Auto fahren können, die IC-Züge benutzen können, wird Behinderten die Freifahrt verweigert. Gerade Blinde und Sehbehinderte sind dadurch eingeschränkt.
Man kann auf einigen Streckenabschnitten die Freifahrt teilweise nur noch im 2-Stunden-Takt ohne Umsteigen in Anspruch nehmen oder überhaupt nicht mehr.