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kobinet-nachrichten
29.03.2005 - 08:30
URL: http://www.kobinet-nachrichten.org

Kassel/Hollenbach (kobinet) Der Bau eines neuen Behindertenheimes im Frankfurter Stadtteil Nieder-Erlenbach und dessen Förderung durch die Ausgleichsabgabe (siehe kobinet-nachrichten vom 11.03.2005), hat für scharfe Kritik bei Behindertenverbänden gesorgt. Das Netzwerk Artikel 3, die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben Deutschland (ISL) und das Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen (ForseA) zeigten sich angesichts des Baubeginns und der Förderzusage für das Heim in zweierlei Hinsicht empört. Nach Ansicht der ForseA-Vorsitzenden Elke Bartz sei es ein Rückschritt ins Mittelalter, dass heute im 21. Jahrhundert immer noch neue Heime gebaut werden, zudem auch noch für 30 Menschen. Die im Artikel der Frankfurter Neuen Presse zum Spatenstich für das neue Behindertenheim angeführte «Schönrederei» von wegen Vorbereitung auf's Betreute Wohnen und Integration mache deutlich, wie die Selbstbestimmung behinderter Menschen hier mit Füßen getreten werde, indem eine neue Aussonderungseinrichtung geschaffen wird. Für Uwe Frevert vom Vorstand der ISL ist es völlig unverständlich, dass ein Behindertenheim mit einer Million Euro aus Mitteln der Ausgleichsabgabe gefördert wird. ArbeitgeberInnen zahlten diese Mittel zur Schaffung von Arbeitsplätzen für behinderte Menschen und nicht zum Bau von neuen Aussonderungseinrichtungen, in denen behinderte Menschen leben müssen. Die ISL wolle daher prüfen, ob diese Mittel, die an anderer Stelle zur Schaffung von Arbeitsplätzen fehlen, durch diese Förderung nicht zweckentfremdet werden. Dies deute die in der Frankfurter Neuen Presse zitierte Äußerung des Landesdirektor Lutz Bauer des Landeswohlfahrtsverbandes bereits an, der dort wie folgt zitiert wird: «Doch stehe diese Ausgleichsabgabe unter einem ungünstigen Stern, da sie künftig nicht mehr sozialen Einrichtungen zufließe». Eine solche Förderung schade Frevert zufolge dem für behinderte Menschen äußerst wichtigen Instrument Ausgleichsabgabe enorm. Für den Pressesprecher des Netzwerk Artikel 3, Ottmar Miles-Paul, hat die Förderung des Frankfurter Behindertenheimes sogar einen Hauch von einem «Geschmäckle». Denn der Bewilligungsbescheid für das von der Behindertenhilfe Frankfurt des Internationalen Bund (IB) gebaute 2,7 Millionen Euro teure Behindertenheim wurde beim Spatenstich dem Bericht der Frankfurter Neuen Presse zufolge ausgerechnet an den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen in der Verbandsversammlung des Landeswohlfahrtsverbandes und gleichzeitigen Landespräsidenten des Internationalen Bundes, Michael Thiele, übergeben. «Der Bau eines solchen Heimes in Frankfurt, wo sich die Frankfurter Behindertenarbeitsgemeinschaft (FBAG) schon vor über einem Jahr gegen den Bau weiterer Behindertenheime ausgesprochen hat, hat nichts mit einer zukunftsweisenden Behindertenpolitik und schon gar nichts mit der Ausgleichsabgabe zu tun. Dieses Wirken von Michael Thiele ist letztendlich auch keine gute Werbung für eine von den Grünen angestrebte Behindertenpolitik, die die Selbstbestimmung Behinderter und die ambulante vor der stationären Unterstützung in den Vordergrund stellt. Da kann der Internationale Bund noch so viel beteuern und schön reden. Selbst die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege hat 24 Plätze als Höchstmaß für den Bau von Behindertenheimen angesetzt. Daher ist es auch äußerst irritierend, dass die Aktion Mensch für das neue Heim auch noch 271.950 Euro dazu zahlt», erklärte Miles-Paul. Der Behindertenrechtler zeigte sich vor allem auch über den scheidenden Landesdirektor des Landeswohlfahrtsverbandes Lutz Bauer empört. «Einerseits wird uns die konsequente Förderung des Betreuten Wohnens versprochen und dann kommt bei der nächsten Gelegenheit wieder so etwas. Dieses Geld, dass hier in Frankfurt in ein neues Behindertenheim gesteckt wird, könnte effektiver für die Schaffung von Arbeitsplätzen für Behinderte und die Einrichtung weiterer Plätze zum Betreuten Wohnen eingesetzt werden». hjr
Petra Groß schrieb am 29.03.2005, 16:33
Ich Petra Groß habe nicht lange in ein Heim gelebt darum möchte ich auch nicht mehr das mehr Heime gebaut werden mir ging es nicht gut im Heim Ich möchte so wohnen wie ich will und darf die Sebstbestimmung darf mir keiner nehmen
Hans-Reiner Bönning schrieb am 29.03.2005, 10:20
Wie war das noch mal mit den 30 Silberlingen ? Es war Geld für Verrat.
Für den Verräter, der es nahm.
Und gegeben von denen, die lieber einen Verräter finanzieren als sich einer Wahrheit zu stellen, die von ihnen Umdenken erfordert.
Nächste Frage: Was heißt eigentlich "Behindertenhilfe" ?
In diesem Fall ganz sicher: Behinderte Menschen müssen zwangsweise dabei "helfen", dass andere in ihrem Namen Profit machen können.
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