
Kassel (kobinet) Die Nachricht, dass in Frankfurt ein neues Behindertenheim gebaut werden soll, findet Petra Gross vom Netzwerk People First Deutschland gar nicht gut. Die Frau mit Lernschwierigkeiten möchte lieber mehr Unterstützungen sehen, damit behinderte Menschen in ihren eigenen Wohnungen leben können. «Ich finde den Bau von neuen Heimen überhaupt nicht gut, denn dann werden wir Menschen mit Lernschwierigkeiten viel leichter dort reingezwängt», so die Reaktion von Petra Gross auf den geplanten Bau eines weiteren Behindertenheims in Frankfurt. «Ich habe selbst über zwei Jahre in einem Heim gelebt und weiß, wie dabei die Selbstbestimmung ständig auf der Strecke bleibt. Mir ist es wichtig, dass es mehr Unterstützungen für behinderte Menschen gibt, damit wir wie alle anderen auch, in der eigenen Wohnung leben können. Heime gibt es in Deutschland schon viel zu viele, da brauchen wir keine neuen», so Petra Gross. Weil viele Menschen mit Lernschwierigkeiten ähnliche Erfahrungen gemacht haben, unterstützt das Netzwerk People First Deutschland nach Informationen dessen Geschäftsführer, Stefan Göthling, auch die Kampagne «Marsch aus den Institutionen - Reißt die Mauern nieder». Denn in Deutschland bräuchten wir keine weiteren Mauern und Sondereinrichtungen, sondern den Mut zu neuen Wegen, nämlich für ein Leben behinderter Menschen in der Gemeinde, meint Göthling. Die nun angeschobenen Aktionen für einen lokalen Teilhabeplan durch die Aktion Grundgesetz und den Bundesbehindertenbeauftragten seien daher auch ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. omp