Arnd Hellinger schrieb am 08.04.2005, 15:48
Hallo Leute,
ginge es nach aktuellen Ergebnissen der Demoskopie, wünscht
sich eine Mehrheit der (befragten) Wahlberechtigten den jetzigen
niedersächsischen Ministerpräsidenten und CDU-Vize Christian
Wulff als künftigen Bundeskanzler. Ihm werden insbesondere
Merkmale wie "Sachkunde" und "Durchsetzungsfähigkeit"
attestiert.
Aus Sicht behinderter sowie chronisch kranker Menschen aber
stellt sich gerade die von Wulff so gerne behauptete Kompetenz
Sachfragen als eher problematisch dar. So hat Niedersachsen
als erstes Bundesland zum Jahresbeginn sein Landes-Blindengeld
ersatzlos gestrichen. Auch im Rahmen der Gesundheitsreform ist
Wulff nicht gerade als Sachwalter von Nachteilsausgleichen für
chronisch Kranke aufgefallen...
Dabei sollte Wulff es besser wissen: Seine Mutter nämlich leidet
an Multipler Sklerose (MS) - einer fortschreitenden Zersetzung des
Zentralen Nervensystems. Je nach Verlauf kann MS beispielsweise
dazu führen, dass die oder der Betroffene erblindet, einen Rollstuhl enutzen muss und/oder irgendwann vollkommen auf Assistenz angewiesen ist. Alle drei möglichen Folgen sind bei Wulffs Mutter eingetreten. Medikamente und Physiotherapie können bei MS auch "in guten Zeiten" mit 4.000 Euro pro Monat und Patient zu Buche schlagen. Assistenz (aka Pflege) gar nicht eingerechnet.
Durch seine ablehnende Haltung auch gegenüber dem revidierten
Entwurf des Antidiskriminierungsgesetzes der Bundesregierung
trägt Wulff entscheidend dazu bei, dass Menschen wie etwa seine
eigene Mutter weiterhin von einer gleichberechtigten Teilhabe am
gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden - nur weil sie
sich anders bewegen oder nicht "normal" sprechen können!
Daraus ergibt sich für mich nun die Frage, ob ein Mensch wie
Christian Wulff wirklich ausreichend für das Amt des deutschen
Bundeskanzlers qualifiziert ist - von wegen "Sachkunde" usw.
Viele Grüße
Arnd
--
Arnd Hellinger - de.geocities.com/bahnarnd/
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