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kobinet-nachrichten 18.04.2005 - 08:44
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Geht nicht gibt's nicht

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Kassel (kobinet) «Geht nicht gibt's nicht», so lässt sich die Tagung unter dem Motto «Deinstitutionalisierung von behinderter Menschen - ein Schlüssel der Disability Studies» zusammenfassen, die das Bildungs- und Forschungsinstitut zum selbstbestimmten Leben behinderter Menschen am Freitag in Kassel durchgeführt hat. Während der von der Aktion Mensch geförderten Tagung machte besonders Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner deutlich, dass wir unsere eigene Denkweise über behinderte Menschen kräftig überdenken müssen. Anhand einer Reihe von praktischen Beispielen aus seiner Zeit bei der Auflösung des Psychiatrischen Landeskrankenhauses in Gütersloh zeigte er auf, welche Hürden überwunden werden müssen, um eine echte Deinstitutionalisierung zu erreichen. Dabei ginge es nicht nur um die Schaffung von natürlichen Lebensverhältnissen für behinderte Menschen, sondern vor allem auch die Deinstitutionalisierung der MitarbeiterInnen müsse im Blickfeld sein. Christoph Keller von der evangelischen Stiftung Hephata Mönchengladbach stellte den Reformprozess dar, den die Einrichtung seit Anfang der 90er Jahre durchläuft und der zum Beispiel zur Öffnung des zentralen Standortes in Mönchengladbach geführt habe. Dort wurden konkrete Mauern niedergerissen und neue integrative Wohnmöglichkeiten geschaffen. Prof. Dr. Eckard Rohrmann von der Philipps-Universität Marburg machte durch die Präsentation von konkreten Zahlen deutlich, dass es keinen Anlaß zur Euphorie für eine Deinstitutionalisierung gibt. Seit 1990 habe die Zahl der behinderten Menschen in Behinderteneinrichtungen um 55 Prozent von damals 103.000 behinderten Menschen, die in Behinderteneinrichtungen lebten zu heute über 160.000. Nur 7 Prozent der Eingliederungshilfe, für die über zehn Milliarden Euro pro Jahr ausgegeben werden, fließen in den ambulanten Bereich, kritisierte Rohrmann. Dass sich die Behindertenbewegung ganz und gar nicht mir diesem Zustand zufrieden gibt, stellten Stefan Göthling vom Netzwerk People First Deutschand, Uwe Frevert von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben Deutschland und Elke Bartz vom Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen dar. Durch eine Vielzahl von Aktivitäten und neuen Ansätzen in der Behindertenpolitik werde versucht, die Uhr in Richtung ambulante Unterstützung umzustellen und Alternativen, wie zum Beispiel Persönliche Budgets zu schaffen. Mit der Kampagne «Marsch aus den Institutionen - Reißt die Mauern nieder» werde ein Fokus geboten, um die verschiedenen Aktivitäten zu bündeln und den Druck auf die Politik, die Verwaltung und Einrichtungsbetreiber zu erhöhen, endlich umzusteuern und die ambulante vor die stationäre Hilfe zu stellen. Dr. Gisela Hermes vom Bildungs- und Forschungsinstitut zum selbstbestimmten Leben behinderter Menschen und Stefanie Goeke von der evangelischen Fachhochschule Reutlingen/Ludwigsburg plädierten dafür, dass behinderte Menschen selbst eine zentrale Rolle in der Forschung und Lehre spielen müssen. Dabei müsse gerade die Deinstitutionalisierung und die Stärkung eines Lebens in der Gemeinde im Mittelpunkt stehen. Dass es bei dieser Tagung nicht nur bei der Beschreibund der derzeitigen Situation blieb, machte das Angebot zum Abschluss der Tagung von Prof. Dörner deutlich, dass er willigen Einrichtungen helfen würde, den Weg zur Deinstitutionalisierung zu gehen, wenn dies gewünscht werde. Als Rentner setze er und sicherlich auch einige andere erfahrene Menschen gerne seine Zeit dafür ein. omp 

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