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21.04.2005 - 11:00

Das Leben ist eine Pralinenpackung.

Berlin (kobinet) «Das Leben ist eine Pralinenpackung», hatte Forrest Gumps Mutter in dem Film «Forrest Gump» oft gesagt, «… du weißt nie, was du bekommst». Diesen Ausspruch nahm die Geschäftsführerin der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben Deutschland, Barbara Vieweg, heute als Ausgangspunkt für ihre Einführungsrede zur beruflichen Teilhabe behinderter Menschen. Im Kleisthaus in Berlin tagen heute gut 100 behinderte und nichtbehinderte ExpertInnen unter dem Motto «Türen auf - Wege offen? Berufliche Teilhabe behinderter Menschen vor neuen Herausforderungen» im Rahmen einer Veranstaltung, die durch die Gemeischaftsinitiative Equal der Europäischen Union gefördert wird. «Von seiner Mutter rückhaltlos unterstützt, macht sich Forrest Gump, ein Mensch mit Lernschwierigkeiten in die Welt auf. Er bring Elvis seinen Tanzstil bei, findet in der jungen Jenny eine echte Freundin, wird aufgrund seines Laufvermögens zu einem Sportstar, rettet seinem Vorgesetzten Dan Taylor vor dem sicheren Tod und wird schließlich im Schrimps-Business zum Millionär. 'Das Leben ist eine Pralinenpackung' - hatte Forrests Mutter oft gesagt '… du weißt nie, was du bekommst'. Als im Juli 2001 die erste Informationsbroschüre der Gemeinschaftsinitiative Equal mit dem Titel 'Grenzenlose Chancengleichheit' erschien, war das auch so eine Pralinenpackung. Wir konnten nicht wissen, was wir bekommen. Doch da wir es nicht dem Schicksal überlassen wollten, was wir bekommen, haben wir uns entschlossen einen Antrag zu formulieren, da es auch um unser, das heißt um das Schicksal behinderter Menschen ging. Nimm dein Leben in die eigenen Hände, vertrete Deine Interessen selbst und - und dies war unsere zentrale Motivation - entwickle Angebote von Behinderten für Behinderte, mit der Zielstellung, weniger Aussonderung und mehr Selbstbestimmung», so beschrieb Barbara Vieweg den Weg der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben Deutschland zur Mitwirkung an der Gemeinschaftsinitiative Equal. Aus diesem Einstieg seien dann laut Barbara Vieweg folgende Aktivitäten voran getrieben worden: Vermeidung von Sonderwegen Sonderwege sind teuer, schaffen Sonderlösungen, bringen oft kein eigenes Einkommen und behandeln behinderte Menschen als Sonderwesen. Wir wollen, dass Schulen bereit sind, behinderte Schüler aufzunehmen, sie in die Schule und den Klassenverband zu integrieren. Gerade im so wichtigen Übergang von der Schule in den Beruf, ist es entscheidend, dass behinderte Jungen und Mädchen den Sonderschonraum Sonderschule verlassen können. Die Überbehütung schafft kein Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten oder die eigenen Fähigkeiten können nicht realistisch eingeschätzt werden. Dagegen helfen eine gute Berufswegeplanung, die nicht erst im letzten Schuljahr beginnt. Dagegen helfen Praktika, dagegen hilft das Vorbild von selbst behinderten Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeitern, die am eigenen Beispiel zeigen können, dass ein Arbeitsleben mit Behinderung möglich ist, also ein realistisches Ziel darstellt. «Habe Vertrauen in deine eigenen Fähigkeiten, auch wenn der Anpassungsdruck an die Normalität sehr stark wird!» Der Übergang von der Schule in den Beruf gelingt besonders gut mit Schulpraktika. Sich auszuprobieren, Erfahrungen sammeln zu können, Fähigkeiten erwerben. Das sind nun wirklich keine neuen Weisheiten und doch sind Praktika für viele behinderte Schülerinnen und Schüler immer noch die Ausnahme. Hier wird durch die Arbeitsverwaltungen immer noch auf Arbeitserprobungen in Sondereinrichtungen gesetzt, die auch nur in einer begrenzten Anzahl von Berufsbildern angeboten werden. Der Arbeitsmarkt verändert sich ständig, Berufe verschwinden, neue entstehen. Große Einrichtungen können nur bedingt darauf reagieren. Praktika durchbrechen diese Linie, eröffnen Horizonte, ebnen Wege in Berufsausbildungen oder niedrigere Tätigkeitsfelder. Persönliche Assistenz im Arbeitsleben - ein Ganzheitlicher Ansatz Persönliche Assistenz ist jede Form der personellen Unterstützung, die ein behinderter Mensch benötigt, um ein gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Leben führen zu können. Seit 1999 gibt es durch das SGB IX einen Rechtsanspruch auf Arbeitsassistenz. Das war ein großer Erfolg, der in der Praxis allerdings durchaus mit Tücken verbunden ist. Und - wäre denn die Tätigkeit als Assistent nicht auch ein neues Berufsbild? Regional sehr unterschiedlich ist die Möglichkeit, persönliche Assistenten zu finden. Es wurde ein Angebot entwickelt, dass mit Hilfe des Internets die Suche nach dem geeigneten Assistenten erleichtert quasi modernisiert. Aber auch behinderte Menschen, die mit persönlicher Assistenz leben, benötigen dafür eine Qualifikation. Es ist nun nicht jedem gegeben, die Anleitungs- und Finanzkompetenz sofort auszuüben. Kurse zur Schulung sind hier das Mittel der Wahl. Ein solches Vorhaben existiert natürlich nicht im luftleeren Raum. Die uns immer wieder vermittelten Einsparungszwänge der öffentlichen Haushalte sind gegenwärtig dabei, den Anspruch auf persönliche Assistenz einzuschränken. Nicht durch den Gesetzgeber oder durch gesetzliche Regelungen, sondern durch einen massiven Druck auf die Kosten der Assistenz. Wenn nur noch Billiganbieter beispielsweise durch die Sozialbehörden bewilligt werden, dann nützen die besten Kurse zur persönlichen Assistenz nichts. Hier haben wir in den letzten Jahren auch eine politische Auseinandersetzung führen müssen, die uns mit den anfangs genannten Vorurteilen in einer geradezu brutalen Weise konfrontiert. Da werden Grundbedürfnisse behinderter Menschen mit einem Existenzminimum gleichgesetzt. Der Unterstützungsbedarf behinderter Menschen gerät unter einen kostendominierten Rechtfertigungsdruck, der Chancengleichheit unmöglich macht, und grenzenlosen sowieso. Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass Arbeitsassistenz durch die Arbeitsverwaltungen und Integrationsämter kaum für den Bereich der notwendigen Unterstützung von Menschen mit Lernschwierigkeiten Anwendung findet. Menschen mit Lernschwierigkeiten brauchen Praktikums- und Arbeitsplatzbegleitung, sogenannte Job coaches, hier gibt es bisher keine regulären Finanzierungsmöglichkeiten. Wie sage ich es der Firma, dem Betrieb? - Sensibilisierung von Arbeitgebern Behinderung als Qualität, behinderte Expertinnen und Experten suchen den Kontakt zu Arbeitgebern. Es werden Türen geöffnet für die Beschäftigung behinderter Menschen am ersten Arbeitsmarkt. Es ist nämlich nicht so, dass Behinderte nicht gekündigt werden können, dass sie oft krank sind, nur Arbeit machen und der Umgang mit ihnen schwierig ist. Diese Vorurteile lassen sich am besten aus dem Weg räumen, wenn Firmen und Betriebe beziehungsweise natürlich echte Menschen Kontakt zu behinderten Menschen haben. Bei uns oft durch selbst behinderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Einarbeitung am neuen Arbeitsplatz ist wichtig und ein regelmäßiger Ansprechpartner für die Firma. Eingliederungszuschüsse ebenso. Hier geht es nicht darum, dass behinderte Menschen an die Firmen verkauft werden, doch die Bereitstellung von Zuschüssen am Beginn oder im Verlauf einer Beschäftigung kann entscheidend für die Überwindung von Vorurteilen sein. Diese Tatsache ist seit vielen Jahren unstrittig. Um so bedauerlicher ist es, dass seit 1.1.2005 gerade die Vergabe dieser wichtigen Zuschüsse an die Arbeitgeber für die Beschäftigung Schwerbehinderter ins Stocken geraten ist. Da nur noch ca. 40 Prozent Kunden der Arbeitsagenturen sind, damit also 60 Prozent als ALG II Bezieher zu den ARGE bzw. Optionskommunen gehören und dort oft noch die Fachkompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fehlt, sind seit Januar wesentlich weniger Bewilligungen in diesem Bereich dazu gekommen und somit auch weniger Beschäftigungen schwerbehinderter Menschen. omp 

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