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kobinet-nachrichten 26.04.2005 - 02:00
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Fachfremd, blind und noch dazu mit Führhund

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Porto Alegre (kobinet) «Fachfremd, blind und noch dazu mit Führhund», nach Ansicht von Dr. Joâo Werner Falk, der an der Universidade Federal do Rio Grande do Sul (UFRGS) in Südbrasilien den Studierenden der Medizin die Grundlagen des Gesundheitssystems vermittelt, sind diese drei Eigenschaften Grund genug, still und dankbar hinzunehmen, was wohlwollende Mitmenschen zu geben bereit sind. Seit drei Monaten hält sich die Heidelberger Studentin Mirien Plarre mit ihrem Führhund in Porto Alegre auf. Obwohl zwischen der Ruprecht-Kars-Universität Heidelberg und der Gasthochschule eine Partnerschaft besteht, war die blinde Übersetzerin und angehende Diplomdolmetscherin erst im letzten Augenblick und nach zähem Kampf von der UFRGS offiziell als Austauschstudentin an der philologischen sowie der medizinischen Fakultät akzeptiert worden. Dass die Gründe hierfür nicht nur in komplizierten bürokratischen Vorgängen lagen, hatte man bislang nur erahnen können. Inzwischen hat jedoch ein Dozent an der medizinischen Fakultät die Maske fallen lassen und deutlich ausgesprochen, was vermutlich viele denken. Gleich bei der ersten Begegnung wurde Mirien Plarre klar, dass sie von diesem Dozenten nicht viel Unterstützung zu erwarten hatte. Auf ihre Frage nach Unterrichtsmaterial teilte er ihr ohne Zögern mit, sie brauche keine Texte, die anderen würden alles im Unterricht diskutieren, und das könne sie ja hören. Dank der aus Deutschland mitgebrachten technischen Hilfsmittel (Scanner, Computer mit Sprachausgabe) konnte sich die Studentin jedoch selbst weiterhelfen. Doch die Situation spitzte sich zu, als der Praxisteil des Unterrichtsfachs näher rückte. Die Studierenden sollten jeweils zu zweit eine Praxis für Familiengesundheit besuchen, um deren Arbeitsweise im Rahmen des neuen Gesundheitssystems kennen zu lernen. Da es darum ging, zu beobachten und sich zu informieren, gab es keinerlei fachlichen Grund, die Sprachstudentin von dieser Aktivität auszuschließen. Dr. Falk jedoch hatte sie schlichtweg nicht eingeplant. Nach einer längeren Diskussion sagte er widerwillig zu, in den Praxen nachzufragen, ob eine davon bereit wäre, sie aufzunehmen. In den folgenden Wochen stellte der Dozent zunehmend seine ablehnende Haltung unter Beweis, indem er zum Beispiel auch auf Nachfragen nicht erklärte, was er an die Tafel schrieb, und sogar indem er die Klasse darin bestärkte, nicht mit der fremden Besucherin zusammen zu arbeiten. Durch all diese Vorfälle frustriert und gesundheitlich angeschlagen, gab die Studentin dennoch nicht auf. Schließlich erhielt sie über Dritte die Nachricht, sie könne eine Praxis besuchen, der Hund müsse aber draußen bleiben. Mit Bauchgrummeln, und wie immer mit dem Gesetz in der Tasche, das seit dem 02.12.2004 in Brasilien bundesweit u. a. das Zutrittsrecht für Blindenführhunde zu allen öffentlichen Einrichtungen garantiert, machte sich das Gespann in die Praxis auf. Doch dort gab es keine Möglichkeit zur Klärung. Der Arzt, der sich weder vorstellte noch grüßte, sondern eine unbeteiligte dritte Person aufforderte, mit «ihr» nach hinten zu gehen, «um den Hund weg zu bringen», ließ keine Möglichkeit zu einer freundlichen und besonnenen Klärung aufkommen. Er bestand darauf, dass die Angelegenheit mit dem Dozenten bereits geregelt worden sei und veranlasste, dass dieser in der Praxis anrief. Das Telefongespräch zwischen Mirien Plarre und Dr. Falk war weniger ein Gespräch als ein zehnminütiger Monolog des Dozenten, indem er die Studentin als «militant» bezeichnete und ihr schließlich erklärte: «Eigentlich müsstest du dankbar sein, statt dich zu beschweren, denn es war ein Akt des Wohlwollens, dass ich und andere dich in unserem Unterricht aufgenommen haben, obwohl du fachfremd bist, obwohl du blind bist und sogar obwohl du einen Hund mitbringst. Das hätte nicht jeder getan, und jetzt gehe in dich, und denke darüber nach». omp 

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