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kobinet-nachrichten
03.05.2005 - 07:39
URL: http://www.kobinet-nachrichten.org

Berlin (kobinet) Matthias Vernaldi kommentiert in der Mai-Ausgabe der Berliner Behindertenzeitung «Gleich zwei Euthanasiefilme». Am 13. Mai ist die Soziologin Erika Feyerabend zu einer Diskussion über das Thema «Sterben leicht gemacht? Versprechen und Gefahren von Patientenverfügungen» eingeladen. Vernaldi ist im Bündnis für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen aktiv, das zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft für selbstbestimmtes Leben schwerstbehinderter Menschen die Veranstaltung in der Berliner Humboldt-Universität (19 bis 22 Uhr in der Garderobe des Audimax) vorbereitet. «Das Meer in mir» von Alejandro Amenabars und «Million Dollar Baby» von Clint Eastwood geben nach Ansicht von Vernaldi eine Richtung an, die entsetzlich werden kann. «Die Hauptfiguren - hier Ramon, da Maggie - sind nach einem Unfall Tetraplegiker (vom Hals an abwärts gelähmt) und wollen nun sterben. Die bislang jungen schönen und muskulösen Helden finden sich unvermittelt in einer Situation wieder, in der sie sich so gut wie nicht mehr bewegen und fast keine Körperempfindung mehr haben können, in der sie von nun an rund um die Uhr auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen sein werden. Sie können nicht mehr Hand an sich legen (Maggie versucht es erfolglos). Also wollen sie umgebracht werden. Die Handlungsabläufe beider Filme finden in der Tötung auf Verlangen ihr Ziel», schreibt Vernaldi. Er selbst befindet sich, was seine leibliche Verfassung betrifft, durch eine fortschreitende Muskelerkrankung seit Jahren in einer ähnlichen Situation. Die Art und Weise, in der hier der Euthanasie das Wort geredet wird, hält Vernaldi für außerordentlich bedenklich und gefährlich. Er wolle nicht die Betroffenheitskeule schwingen oder den penetrant aufdringlichen Gute-Laune-Krüppel geben, sagt Vernaldi. Kunst dürfe schließlich Fragen stellen, sogar Tabus verletzen. Bei den beiden Filmen und ihrer Aufnahme im Publikum aber ist für den Berliner eher die Tatsache beunruhigend, «dass kaum noch Fragen gestellt werden, dass es schon kein Tabubruch mehr ist, einen Menschen zu töten, der darum bittet». Die Stammtischmeinung, die ihm in Neuköllner Kneipen und anderswo begegnet, beschreibt Vernaldi drastisch: «Also weißt du: wenn ich mal so beschissen dran sein sollte, wie du, dann will ich nicht mehr leben.» sch
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