
Hamburg (kobinet) Mit einem Plädoyer für bedarfsdeckende ambulante Hilfen beteiligten sich eine Vielzahl von Behindertenorganisationen aus Hamburg am Europäischen Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen. Am Mittwoch führten sie unter Federführung der Hamburger Landesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte dazu eine Diskussionsveranstaltung in der katholischen Akademie in Hamburg durch. Boel Ballke, die heute in Greifswald lebt und früher in der Kommunalpolitik in einer Stadt in der Nähe von Stockholm engagiert war, gab zu Beginn der Veranstaltung einen Überblick über die Entwicklung der Deinstitutionalisierung behinderter Menschen in Schweden. Trotz damals großer ökonomischer Krisen sei es in Schweden gelungen, Heime für körperbehinderte Menschen zu schließen, Institutionen für Menschen mit Lernschwierigkeiten zu verbieten und die Plätze in der Psychiatrie massiv abzubauen. Gleichzeitig wurden die ambulanten Angebote für Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen, wie zum Beispiel die Persönliche Assistenz, gestärkt. In Hamburg gestaltet sich die Situation demgegenüber derzeit so, dass der Senat verlangt, dass die stationären Plätze in der Behindertenhilfe um 30 Prozent reduziert und in ambulante Unterstützungen umgewandelt werden. Der Haken daran ist nach Ansicht der Landesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderter, dass im Haushaltsplan hierfür 12 Millionen Euro weniger für die stationären Hilfen veranschlagt wurden, während im ambulanten Sektor lediglich drei Millionen Euro zusätzlich eingestellt wurden. Der Koordinator der Kampagne «Marsch aus den Institutionen - Reißt die Mauern nieder», Ottmar Miles-Paul, begrüßte die Richtung der Hamburger Behindertenpolitik zur Umwandlung der stationären Hilfen in Richtung ambulante Hilfe zwar grundsätzlich, forderte jedoch die hierfür nötigen Ressourcen ein. «Eine wirkliche Ambulantisierung muss an den Bedürfnissen der Menschen mit dem höchsten Unterstützungsbedarf ansetzen. Denn wenn die Bedingungen so sind, dass sie für diesen Personenkreis gut sind, sind sie für alle gut», forderte Miles-Paul. hjr