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kobinet-nachrichten
11.05.2005 - 10:16
URL: http://www.kobinet-nachrichten.org

Obrigheim/Kassel (kobinet) Heute Morgen um 8.00 Uhr wurde nach fast 37 Jahren Betriebszeit das älteste deutsche Atomkraftwerk, das AKW Obrigheim, abgeschaltet. Damit ist das Kernkraftwerk Obrigheim das erste, dessen Aus eine Folge des Atomkonsenses von Bundesregierung und Energiewirtschaft ist. 2003 war das Kernkraftwerk Stade bei Hamburg aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt worden. Damit sind einem Bericht von swr1 zufolge künftig noch 17 Atommeiler in Deutschland in Betrieb. «Für all diejenigen, die gegen die Gefahren der Atomkraftwerke in Deutschland demonstriert haben und die Folgen der Katastrophe von Tschernobyl noch im Kopf haben, ist dies heute ein großer Tag, der zeigt, dass Veränderungen möglich sind, so langwierig diese auch sein mögen. Vor allem zeigt dieses Beispiel für uns jedoch, dass ein Umlenken mit klaren politischen Beschlüssen möglich ist - und dies fordern wir auch für die Behindertenpolitik in Deutschland. Daher ist nun dringend auch ein Einstieg in den Ausstieg aus der Aussonderung behinderter Menschen in Behindertenheime und Werkstätten für behinderte Menschen überfällig», erklärte Uwe Frevert vom Vorstand der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben Deutschland - ISL e.V. Wenn es möglich sei, die Kosten für den Abbau des AKW Obrigheim von ca. 500 Millionen Euro aufzubringen und nach Lösungen für über 300 Beschäftigte des AKW zu suchen, sei es allemal möglich, ambulante Alternativen zur stationären Unterbringung behinderter Menschen zu schaffen. Für Elke Bartz vom Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen ist die Abschaltung von Obrigheim ein Beispiel dafür, was alles möglich ist, wenn die Behindertenbewegung ihr Ziel der Deinstitutionalisierung konsequent verfolgt. «Wenn es uns gelingt, dem Wohltätigkeitsgedusel, das viele Einrichtungen umgibt, konsequent entgegenzuwirken und die strukturellen Benachteiligungen von HeimbewohnerInnen konsequent aufzuzeigen und die nötigen Veränderungen zu fordern, haben auch wir eine Chance für ein konsequentes Umsteuern in der Behindertenpolitik. Das hat uns das Beispiel Schweden gezeigt, wo die Heime weitgehendst abgeschafft sind», so Elke Bartz. omp
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