
Wiesbaden (kobinet) Hessen nimmt einer Pressemitteilung des Hessischen Sozialministeriums zufolge bei der gemeinsamen Erziehung von Kindern mit und ohne Behinderung unter den Bundesländern die Spitzenposition ein. «In 43,6 Prozent der hessischen Kindertageseinrichtungen werden entsprechende Integrationsmaßnahmen durchgeführt. Damit liegt Hessen deutlich an der Spitze aller 16 Bundesländer, gefolgt von Sachsen mit 34,2 Prozent und Berlin mit 30,4 Prozent», erklärte die hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger heute in Wiesbaden. Derzeit werden in Hessen 4.584 Kinder mit Behinderungen in rund 1.600 Regelkindergärten in Form von Einzelintegrationsmaßnahmen und in integrativen Gruppen betreut. «Alle Kinder, die nicht aus medizinischen Gründen eine stationäre Betreuung benötigen, erhalten einen Integrationsplatz», so Silke Lautenschläger. 1998 wurden nur 2.980 Kinder in Integrationsmaßnahmen betreut. «In Hessen steht damit für jedes Kind mit Behinderung mittlerweile wohnortnah ein Betreuungsplatz in einem Regelkindergarten zur Verfügung», betonte die Ministerin. Die gemeinsame Erziehung von Kindern mit und ohne Behinderung in den Kindergärten sei in Hessen von der Ausnahme zum Regelfall und damit zur flächendeckenden Normalität geworden. Der finanzielle Kraftakt, den die Landesregierung gemeinsam mit den Kommunen auf sich genommen und 1999 mit der Rahmenvereinbarung «Integrationsplatz» gestartet habe, trage Früchte. Die Hessische Landesregierung habe die Integration von Kindern mit Behinderung in den Kindergärten vor Ort konsequent und erfolgreich umgesetzt. «Allen Kindern soll die Chance gegeben werden, im Alltag mit einander zu leben und zu lernen. Durch das gemeinsame Aufwachsen wird Integration damit für die Jüngsten unserer Gesellschaft zu einer alltäglichen Lebenserfahrung». Die Bedürfnisse der betroffenen Kinder stünden im Mittelpunkt. Deshalb habe die Landesregierung das Modellprojekt «QUINT» (Qualitätsentwicklung Integrationsplatz) gestartet. «Ziel ist es, Kindertagesstätten so zu qualifizieren, dass sie individuelle Hilfepläne für Kinder mit Behinderung aufstellen und in die Praxis umsetzen können», führte Silke Lautenschläger aus. Ebenso sollten auf diese Weise Kooperationsformen mit Frühförderstellen, Therapeuten, Sozial- und Jugendämtern entwickelt werden. «Nicht nur der quantitative Ausbau der Integrationsplätze ist wichtig, sondern auch deren qualitative Ausgestaltung», so die Ministerin. Deshalb erfolge nun nach Abschluss der Modellphase mit finanzieller Unterstützung des Landes die Fortbildung der Fachkräfte in Tageseinrichtungen mit Integrationsplätzen. Bei der Integration der Kinder mit Behinderung in die Regelkindergärten seien bisher keine grundsätzlichen Probleme aufgetreten. Die Landesregierung fördert die Integration von Kindern mit Behinderung in den Regelkindergärten mit 1.533,88 Euro pro Platz und Jahr. Silke Lautenschläger sicherte zu, dass an der Höhe dieser Förderung nicht gerüttelt werde. Gegenwärtig bringt das Land hierfür jährlich 6,6 Millionen Euro auf. Jeder Träger von Kindertageseinrichtungen bietet nach Bedarf Integrationsplätze an. Diese können auch in Form einer integrativen Gruppe organisiert sein, in der jeweils fünf Kinder mit und zehn Kinder ohne Behinderung gemeinsam betreut werden. Heilpädagogische Gruppen, die sich ausschließlich aus Kindern mit Behinderung zusammensetzen, gibt es in Hessen nicht mehr. In begründeten Einzelfällen besteht jedoch nach wie vor die Möglichkeit, ein Kind mit Behinderung in einer Einrichtung mit besonders passendem Profil zu fördern. Das Netzwerk Artikel 3 begrüßte die Entwicklung der Integration in den hessischen Kindergärten, kritisierte jedoch die massive Aussonderung, die behinderte Kinder dann anschließend in den hessischen Schulen erleben müssen. In Kassel würden zum Beispiel derzeit nur 45 von insgesamt 1.637 SchülerInnen mit sonderpädagogischen Förderbedarf im gemeinsamen Unterricht beschult. Der Rest geht auf Sonderschulen. «Die Tatsache, dass in Kassel, wie wahrscheinlich in vielen anderen hessischen Kommunen auch, weniger als drei Prozent der SchülerInnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf an Regelschulen gehen, zeigt das Ausmaß der Ausgrenzung behinderter Kinder und Jugendlicher ganz deutlich. Daher ist es an der Zeit, dass die im Kindergarten begonnene Integration endlich auch auf die Schule übertragen wird», fordert der Pressesprecher des Netzwerk Artikel 3, Ottmar Miles-Paul. elba
Silvia Müller schrieb am 02.03.2006, 18:52
Ich stimme dem Artikel "QUINT mehr contra als pro" vollkommen zu. Es heißt ja nicht, daß man gegen integrationsplätze ist, ganz im Gegenteil nur die Ausführung ist entscheidend. Der Hilfeplan ist nun mal das A und O dafür, da kann QUINT nun mal nicht mithalten. Vileeicht sollte es in QUAL für Erzieher und weitere Beteiligten umbenannt werden!?
Jennifer Schindler schrieb am 02.03.2006, 18:43
In meinen Augen ist QUINT nicht so effektiv wie es und Fachkräften angepriesen wurde. Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, daß QUINT einen viel zu hohen Zetaufwand benötigt und das Ergebins ist eher Mittelmaß. Die verschiedenen Bereiche, die angesprochen werden sind viel zu detailliert aufgeführt und zum größten Teil nicht so verständlich wie es die "Verfasser" sich gedacht haben. Man benötigt wirklich das umfangreiche Handbuch, um zu erfahren, was im einzelnen Punkt gemeint ist. Es ist einfach zu zeinintensiv und eine unnötige Ansammlung von Papierkram. Was ebenfalls eine erhebliche Rolle spielt sind die Bewertungsskalensind oftnals schwer auf die einzelnen punkte übertragbar/einschätzbar. Es hat den Anschein als, ob man das einzelne Kind nicht nur beobachtet sondern quasi dauernd überwachen sollte, um die entwicklung ständig zu kontrollieren. So nach den Motto "Big Brother ist watching you".
Ich kann mir nicht vorstellen, daß es jemanden im Amt gibt, der sich wirklich alle QUINT Bögen zu Gemüte führt, um die Entwicklung des einzelnen Kindes zu verflogen.
Ich finde QUINT ist gegenüber dem normalen Hilfeplan sehr unübersichtlich. Der Hilfe plan ist völlig ausreichend, weil er alle Bereiche abdeckt ohne in übertriebene zeitraubende Schreibarbeit auszuarten. Er zeigt die Entwicklung des Kindes auf und läßt den Erziehern viel Raum für eigene Erläuterungen zu den einzelnen Themen. Er ist für jeden gut verständlich und schließt ebenfalls die Zusammenarbeit der verschiedenen Parteien zum Wohle des Kindes ein.
Ich hoffe wirklich, daß sich die Herrschaften besinnen und beim guten alten Hilfeplan bleiben.