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kobinet-nachrichten
20.05.2005 - 09:00
URL: http://www.kobinet-nachrichten.org

Giengen (kobinet) Die einen rufen derzeit mit der Kampagne «Marsch aus den Institutionen - Reißt die Mauern nieder» immer lauter nach einem Baustopp von «Behindertenheimen» und nach Alternativen zum «Heim», während die anderen kräftig neue «Heime» bauen. So nun auch von der Lebenshilfe in Giengen, wo im Oktober ein neues «Wohnheim» für 36 behinderte Menschen bezogen werden soll. Wie die HZ online aus Heidenheim gestern berichtete, hat der Bau des Wohnheimes der Lebenshilfe im Ried in Giengen mittlerweile konkrete Formen angenommen. Der Rohbau der Einrichtung sei fertig gestellt, sodass das Richtfest gefeiert werden konnte. Am 11. November des vergangenen Jahres war dem Bericht zufolge Spatenstich für das 3,4 Millionen schwere Projekt. Die Frage, warum ein Wohnheim gebaut wird, beantwortete Kurt Kelle, der Vorsitzende des Lebenshilfe-Vereins in der HZ online so: «Weil dringender Bedarf besteht». Für 250 Behinderte, die in den Werkstätten arbeiten, stünden bislang nur 100 Wohnheimplätze zur Verfügung. Besonders für ältere Behinderte, die in reiferen Jahren oft ohne elterliche Betreuung auskommen müssen, sei der Bau eines Wohnheimes notwendiger denn je. Daher gehe er davon aus, dass die 36 Plätze nach der Eröffnung im Oktober voll belegt sein werden. «Dann möchten wir den Anwohnern gute Nachbarn sein», betonte Keller. Dafür werde man alles Mögliche tun. Der Bau des neuen Wohnheimes stieß bei den Koordinatoren der Kampagne «Marsch aus den Institutionen - Reißt die Mauern nieder» auf scharfe Kritik. «Man fühlt sich mittlerweile wie Don Quichote beim Kampf gegen Windmühlen. Auf der einen Seite glaubt man, ein paar Menschen davon überzeugt zu haben, dass ein Leben behinderter Menschen in der Gemeinde Standard werden muss, während auf der anderen Seite schon wieder Millionen fließen und neue Mauern aufgebaut werden», erklärte Ottmar Miles-Paul. Für Elke Bartz, die Vorsitzende des Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen - ForseA e.V. - zeige sich an diesem Beispiel erneut die Doppelzüngigkeit in diesem Bereich. «Einerseits werden neue Mauern und Wohnsituationen geschaffen, die mit einem natürlichen Lebensumfeld nichts mehr zu tun haben. Auf der anderen Seite werden schöne Worte über eine gute Nachbarschaft und Integration gedroschen. Wer echte Integration will, soll behinderten Menschen ein Leben in der eigenen Wohnung bzw. in kleinen familienähnlichen und überschaubaren Wohngruppen schaffen und keine neuen Anstalten mit eindeutigen Institutionscharakter», so Elke Bartz. Mit den knapp 95.000 Euro an Investititonssumme pro Wohnheimplatz hätten schöne Wohnungen für die Betroffenen gebaut bzw. gekauft werden können. hjr
Manfred Keitel schrieb am 22.05.2005, 14:32
Jede neue Einrichtung löst Entsetzen und Trauer aus - darüber, daß immer noch Menschen gegen ihren erklärten Willen zu einer Wohnform gezwungen werden, bei der elementare Grundrechte - die sonst jeder genießt - beschnitten und sogar übergangen werden. Das Vorgehen der Lebenshilfe ist hier radikal und rücksichtslos. Ich kann nur an die Lebenshilfe appelieren, wenigstens auf ihr eigenes Image Rücksicht zu nehmen und von solchen Praktiken schnell Abstand zu gewinnen!!
Gruß
Manfred
Arnd Hellinger schrieb am 21.05.2005, 10:26
Der Worte sind genug gewechselt. nun lasset Taten folgen! In Giengen scheint die Zeit reif zu sein für eine nette kleine Baustellenbesetzung - zu der rufe ich hiermit auf.
Ähnlich wie wir in den 80er und frühen 90er Jahren Straßenbahnen blockiert und so die Umstellung auf Niederflurzüge erreicht haben, müssen wir eben jetzt die Heimträger AKTIV an ihrem schändlichen Tun hindern - und die (neuen) Mauern selbst niederreißen...
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