
Von kobinet-Redakteurin Elke Bartz Gießhübl (kobinet) Nicht die mangelnde Qualifikation, sondern eine äußerst dünne Finanzierungsdecke könnte das künftige «Aus» für die deutschen Tischtennis-Leistungssportler sein. Budapest (Ungarn), Emmen (Niederlande), Dublin (Irland), Lasko (Slowenien) und am vergangenen Wochenende Jesolo (Italien) lautet beispielsweise die beeindruckende Turnierauflistung von Walter Kilger allein im ersten Halbjahr 2005. Herausgekommen sind dabei für den Weltranglisten-Zweiten ein Sieg, drei zweite und ein dritter Platz. Nichts also, dessen der halswirbelgelähmte Leistungssportler, der in der Leistungsklasse 1 (eingeschränkte Fingerfunktion) startet, sich schämen müsste. Im Gegenteil! Dennoch sieht Kilger für sich und sein Sportkollegen eine düstere Zukunft. Seit die Krankenkassen sich fast gänzlich aus der Finanzierung des Leistungssports verabschiedet haben, mangelt es überall am Geld. «Im Gegensatz zu Sportlern ohne Behinderungen haben es Sportler mit Behinderungen unverhältnismäßig schwer, finanzkräftige Sponsoren zu finden», meint Kilger heute gegenüber den kobinet-Nachrichten. «Darum setzen wir gegenwärtig unsere ganze Hoffnung auf eine Unterstützung der Aktion Mensch, bei der wir einen Förderantrag gestellt haben». Allerdings gäbe es noch keinen Bescheid, ergänzt der Bayer. Laut Förderrichtlinien sei zwar eine Finanzierung grundsätzlich möglich, doch gäbe es noch ungeklärte Fragen seitens des Kuratoriums. «Nun bleibt uns nur noch die Hoffnung auf eine positive Entscheidung. Sonst wissen wir nicht, wie es weiter gehen soll. Wir tragen schon jetzt die meisten Fahrtkosten, Startgebühren usw. privat und sind schon lange an den Grenzen unserer finanziellen Möglichkeiten angelangt». Nach diesen Worten wendet sich Kilger der nächsten Trainingseinheit zu. Es ist eine von meist zwölf - und damit 21 Stunden wöchentlich - denn: «Ich warte sehnsüchtig auf meine Nominierung zur Europameisterschaft vom 15. bis 26. September in Jesolo, die vom DBS ausgesprochen werden muss. Und da wir echtem Leistungszwang ausgesetzt sind, bedeutet Weltranglistenposition 2 nicht automatisch Nominierung».