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17.11.2003 - 16:46

Neuer Ansatz für Entwicklungszusammenarbeit.

Von Rainer Sanner Berlin (kobinet) Mit derzeitigen Möglichkeiten und zukünftigen Chancen von Menschen mit Behinderung in der Entwicklungszusammenarbeit beschäftigte sich Ende vergangener Woche eine internationale Tagung im Berliner Haus der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Die Zahl der Menschen mit Behinderung weltweit beträgt circa 500 Millionen (so eine Schätzung der Weltgesundheitsorganisation). Von diesen leben 80 % in den Ländern der so genannten Dritten Welt, finden aber mit ihren Problemen in der Weltöffentlichkeit nach wie vor kaum Beachtung. In vielen dieser Ländern sind Menschen mit Behinderung die am meisten benachteiligte Gruppe. Es gibt große Defizite bei der Rehabilitation (für diese 80 % aller Menschen mit Behinderung stehen nur 10 % aller Rehabilitationsleistungen weltweit zur Verfügung). Der größte Teil von ihnen hat wohl kaum eine Chance, dem Teufelskreis von Armut und Behinderung zu entkommen. Das Tagungsthema war so formuliert: «Erfolgreiche Entwicklungspolitik braucht die Zivilgesellschaft. Um Armut wirksam bekämpfen zu können, ist es unabdingbar, Menschen mit Behinderung in die Gestaltung der Arbeit einzubeziehen und ihre Förderung in den Programmen verbindlich zu verankern.» Einen neuen Ansatz liefert «Inclusive Development». Er basiert auf den «Standard Rules», den Rahmenbestimmungen der Vereinten Nationen für Chancengleichheit von Menschen mit Behinderungen. Er steht für eine Entwicklungszusammenarbeit, in die auch Menschen mit Behinderung als aktive, gestaltende Partner einbezogen werden sollen. Im Verlauf der Diskussion wurde er dahingehend konkretisiert, dass aktuell vorgesehene Projekte nicht an den Betroffenen vorbei geplant und umgesetzt werden dürfen, sie vielmehr ihnen wirklich nutzen, zu ihrer Teilhabe und gleichberechtigten Integration beitragen sollen. So gehe es zum Beispiel im schulischen Bereich weltweit um die Integration in Regelschulen. Ebenso sei zu bedenken, dass Frauen mit Behinderung oft noch weitaus mehr benachteiligt sind als Männer, dass es für sie auch um einen wirksamen Schutz vor Gewalt gehen müsse. Es war das erste Mal, dass sich ein so breiter Kreis von auswärtigen und hiesigen, von nicht-staatlichen und staatlichen Organisationen zusammen fand. Mary Mitchell von der Disabled Peoples’ Organisation in Jamaica, einem Dachverband für behinderte Einzelpersonen, berichtete von Aktivitäten in ihrem Land und gab interessante Anregungen, wie alle Behinderungsarten in einer umfassenden Organisation vertreten sein können oder wie Menschen mit Lernschwierigkeiten gleichberechtigt in die gemeinsame Arbeit zu integrieren sind. Aus Bangladesch berichtete Nazmul Bari vom Centre for Disability in Development von einem Erfolg in seinem Land: Auch auf dem Hintergrund weit verbreiteter Armut und starker Ausgrenzung von Menschen mit Behinderung, sei es nach und nach gelungen, mit zahlreichen NGOs (Nicht-Regierungsorganisationen) und schließlich auch in Zusammenarbeit mit der Regierung Ansatzpunkte für Inclusive Development zu benennen und dann auch umzusetzen. Vorgestellt wurde auch das entwicklungspolitische Engagement von Menschen mit Behinderungen in Europa: Kalle Könkkölä von der Finnish Disabled Peoples’ International Development Association und Knut Harald Ulland von Atlas Alliance in Norwegen machten deutlich, dass die Behindertenorganisationen in den nordischen Ländern – ganz anders als bislang in Deutschland – in diesem Bereich sehr aktiv sind, dass detaillierte Strategien für politische Einflussnahme auf die Entwicklungszusammenarbeit und bislang auch gute Erfahrungen mit der gemeinsamen Lobbyarbeit vorliegen. Auch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ist aufgefordert, sich dieses Themas anzunehmen. sch  

 
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