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18.11.2003 - 10:10

Blinde unterwegs nach Wiesbaden.

Wiesbaden (kobinet) In allen Medien Hessens wird heute vormittag über die Großdemonstration gegen den sozialen Kahlschlag berichtet, zu der der Deutsche Gewerkschaftsbund für heute in Wiesbaden aufgerufen hat. In den Rundfunknachrichten wird mitgeteilt, dass «Angestellte des öffentlichen Dienstes, Lehrer und Polizeibeamte» zu der Demonstration erwartet werden. Von der Beteiligung behinderter, insbesondere Blinder und Sehbehinderter, ist bislang nicht die Rede. Nur in lokalen Medien ist hierzu eine Randnotiz zu finden. In Frankfurt wird die Gruppe blinder und sehbehinderter DemonstrantInnen von einer Reporterin von Rhein-Main-TV begleitet, die zufällig am Sammelpunkt vorbei kam. Zu der Demonstration werden von der Polizei rund 40.000 Menschen aus ganz Hessen erwartet. Schon jetzt sind die Züge nach Wiesbaden und die Autobahnen rund um die Hessische Landeshauptstadt überfüllt. Beobachter rechnen mit mindestens 400 blinden und sehbehinderten Teilnehmern aus ganz Hessen. Sie wollen ab 12 Uhr vom Schlachthof zum Luisenplatz marschieren, wo um 13 Uhr die Hauptkundgebung stattfindet. Der Blinden- und Sehbehindertenbund in Hessen (BSBH) versucht in letzter Minute, die Teilnahme eines eigenen Redners an der Kundgebung zu erwirken. Blinde und Sehbehinderte sollen nach dem Willen der Hessischen Landesregierung künftig auf 30 % des Landesblindengeldes verzichten. Damit wird die Anschaffung von notwendigen Hilfsmitteln in Haushalt und Freizeit, aber auch die Anschaffung von Informations- und Kommunikationstechnik erheblich erschwert, die für Blinde notwendig ist, um am gesellschaftlichen und politischen Leben teilnehmen zu können. Viele Blinde befürchten, ihr ehrenamtliches Engagement einstellen zu müssen, den Anschluss an die Informationsgesellschaft zu verlieren und wieder mehr an ihre Wohnung gefesselt zu sein, wenn das Blindengeld tatsächlich gekürzt wird. In Hessen leben rund 11.000 Blinde und hochgradig sehbehinderte Menschen. Die Blindenverbände wollen, dass die blinden DemonstrationsteilnehmerInnen in einer geschlossenen Gruppe marschieren. Kappen mit dem Spruch: «Blindenbund in Hessen – Wir wollen gesehen werden» werden an die DemonstrantInnen ausgeteilt. Unter den anreisenden DemonstrationsteilnehmerInnen ist die Enttäuschung über die Einschränkung des Blindengeldes groß. Viele Blinde und Sehbehinderte fragen sich offenbar, ob sie sich künftig noch politisch engagieren oder wählen gehen sollen, wenn die Sparpolitik immer zu Lasten behinderter Menschen geht. Bei einer Gruppe blinder DemonstrationsteilnehmerInnen wurde daher bereits der Spruch «Roland Koch ins Haushaltsloch» skandiert. jeb  

 
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