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16.07.2005 - 10:20

Mitmischen ist einzige Alternative.

Kommentar von kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul Kassel (kobinet) Wenn sich der schwerbehinderte Diplom-Informatiker Christian Bayerlein heute in Mainz bei der Landesdelegiertenkonferenz der rheinland-pfälzischen Grünen um einen sicheren Listenplatz für die voraussichtlich anstehende Bundestagswahl bewirbt, sind seine Chancen wahrscheinlich minimal, in den Bundestag zu kommen. Doch hat Christian Bayerlein mit seiner Kandidatur schon jetzt ein wichtiges Zeichen gesetzt: Mitmischen ist die einzige Alternative, vom bloßen Jammern bewegt sich gar nichts. Das war in der Vergangenheit schon so und trifft angesichts der immer schwieriger werdenden politischen Verhältnisse in Deutschland mehr denn je zu. Es mag ihm heute wahrscheinlich nicht gelingen, sein Ziel zu erreichen, aber es kann ein wichtiger Baustein sein, um die Belange behinderter Menschen in die Öffentlichkeit und in die Parteien zu tragen, dass seine und unsere Stimme verstärkt gehört wird. Christian Bayerlein zeigt uns ganz praktisch, dass wir nicht bloße Zuschauer der politischen Entwicklung bleiben dürfen. Wir müssen uns einmischen, Flagge zeigen, benennen, wo die Probleme liegen, welche Lösungen wir haben und was wir für das demokratische Gemeinwesen selbst beitragen können - so schwer das oft auch sein mag. Und dabei reicht es oftmals eben nicht, dass wir nur unser eigenes Pferd reiten, sondern auch Verantwortung für die vielen kleinen und großen Probleme unserer Gesellschaft in anderen Bereichen übernehmen. Wenn wir dies tun, sind die Chancen vielleicht auch größer, dass sich andere verstärkt um unsere Belange bemühen, mit denen sie wenig zu tun haben. Vor allem lernen wir neue Bereiche und Menschen auf eine ganz andere Art und aus einer ganz anderen Perspektive kennen. Möglichkeiten, sich einzumischen gibt es viele. In wenigen Wochen werden wir an den Wahlkampfständen in den Innenstädten kaum mehr vorbeikommen. Dort hinzugehen und mit den ParteivertreterInnen und KandidatInnen zu diskutieren, kann schon ein erstes Zeichen sein, dass wir da sind und wo uns der Schuh drückt. Die Mitwirkung bei der uns am nähesten Partei bei Wahlkampfaktivitäten und diese zu unterstützen, setzt darüber hinaus ein weiteres Zeichen, denn diese sind bitter auf jede Unterstützung angewiesen. Vielleicht ergibt sich daraus ja die Motivation, selbst einmal für ein Amt in einer Partei, in einem Stadtteil oder in einem Parlament zu kandidieren. Denn die Politik in diesem Lande ist vielfältiger als die Mandate der Bundestags- und Landtagsabgeordneten erahnen lassen. Politik spielt sich auf vielen Ebenen ab und dabei müssen wir mitspielen, denn für uns steht viel auf dem Spiel. Blinde Menschen in Niedersachsen und anderen Bundesländern können ein Lied davon singen, was es bedeutet, wenn Leistungen gekürzt werden, das Geld für nötige Hilfen nicht mehr zur Verfügung steht. RollstuhlnutzerInnen wissen ganz genau, was es heißt, wenn Barrieren neu aufgebaut werden und bestehende Barrieren nur äußerst langsam beseitigt werden und Menschen mit Lernschwierigkeiten spüren es direkt, wenn ihre Bedürfnisse für eine leichtere Sprache oder für ein Leben in der Gemeinde mit Füßen getreten werden. Die Herausforderung, die nötigen Assistenzleistungen für ein Leben behinderter Menschen in der Gemeinde statt in Sondereinrichtungen abzusichern, steht zudem ganz oben an. Mischen wir uns also ein, machen wir Politik zum Thema und sorgen dafür, dass unsere Stimme wieder lauter in diesem Land wird. omp 

 
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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Uwe Heineker schrieb am 16.07.2005, 11:02

Ottmar, Du bringst es auf den Punkt ...

... und sprichst mir aus der Seele.

Deinen Kommentar sollten sich angesichts des rauhen sozialen Klimas, das uns um die Nase weht, die Betroffenen und ihre sogenannten "Interessenverbände" zu Herzen nehmen.

MISCHEN WIR UNS ALSO EIN UND ZEIGEN EIN WIRKUNGSVOLLES GEGENPOL ...

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