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kobinet-nachrichten
21.07.2005 - 07:17
URL: http://www.kobinet-nachrichten.org

Immenhausen (kobinet) Anke Orbitz aus Immenhausen bei Kassel hat im Rahmen ihrer Tätigkeit für ein Bundesmodellprojekt zur Förderung der Selbstvertretung und Selbstbestimmung von Menschen mit Lernschwierigkeiten viele Herzen erobert und gezeigt, dass Menschen mit Lernschwierigkeiten weitaus mehr können, als ihnen herkömmlich zugetraut wird. Doch derzeit kämpft die 31jährige Frau mit Lernschwierigkeiten damit, sich nicht im Berufsbildungsbereich der Werkstatt für behinderte Menschen langweilen zu müssen. Sie möchte gerne einen Arbeitsplatz oder eine Beschäftigungsmöglichkeit außerhalb der Werkstatt. Im Gespräch mit den kobinet-nachrichten hat Anke Orbitz ihre Erfahrungen und ihre Geschichte geschildert. Anke Orbitz war bis 1998 in der Kasseler Werkstatt für behinderte Menschen beschäftigt - insgesamt 7 ½ Jahre inklusive Trainingsbereich. Von Februar 1998 bis Dezember 2001 hat sie ganz regulär auf dem 1. Arbeitsmarkt in einem speziell auf Menschen mit Lernschwierigkeiten zugeschnittenen Bundesmodellprojekt gearbeitet, das vom Bundesgesundheitsministerium gefördert wurde. In dieser Zeit gab es kein extra Geld vom Integrationsamt oder einer anderen Stelle für die notwendige Unterstützung für sie am Arbeitsplatz - das wurde vom Arbeitgeber übernommen. Nach Ablauf des Projektes hat sich Anke Orbitz arbeitslos gemeldet und hat an einer neunmonatigen Fortbildung (Qualifizierung) für Behinderte der Agentur für Arbeit teilgenommen, die aber für sie als Frau mit Lernschwierigkeiten völlig ungeeignet war: «Ich habe das nicht verstanden», beschreibt Anke Orbitz heute die damalige Zeit. Seit Oktober 2004 arbeitet sie wieder in einer Werkstatt für behinderte Menschen (Baunataler Werkstätten - Außenstelle Hofgeismar), wurde dort aber noch einmal in den Berufsbildungsbereich gesteckt, obwohl es eigentlich eine gute Möglichkeit für einen Außenarbeitsplatz bei einem Projekt für leichte Sprache des Netzwerk People First Deutschland gegeben hätte. Sie versteht nicht, dass sie jetzt noch einmal den Berufsbildungsbereich in der Werkstatt zwei Jahre lang durchlaufen muss, obwohl sie das in einer anderen Werkstatt schon durchlaufen hatte und dazwischen auch auf dem 1. Arbeitsmarkt gearbeitet hat. Die (intensive) Unterstützung des Berufsbildungsbereiches ist nach Ansicht von Anke Orbitz nicht nötig - es ist zu viel Unterstützung am falschen Ort und eine Unterforderung. Aufgrund einer Persönlichen Zukunftsplanung, die Anke Orbitz gemacht hat, ist klar, dass es ihr Wunsch ist, außerhalb einer Werkstatt zu arbeiten - am liebsten auf einem Außenarbeitsplatz. «Ich möchte aber formal in der Werkstatt für behinderte Menschen bleiben, damit es mir nicht noch einmal so geht wie jetzt und ich später wieder von vorne im Berufsbildungsbereich anfangen muss. Meine Rente muss auch gesichert werden», findet sie. Sie könnte sich zum Beispiel vorstellen, einige Tage in der Woche im Kindergarten zu arbeiten und die anderen Tage zur Not in die Werkstatt zu gehen - aber nicht im Berufsbildungsbereich. Da sie Unterstützung bei der Arbeit braucht, ist es wichtig, dass sie diese Unterstützung, die sie in der Werkstatt dauerhaft bekommt, auch außerhalb dauerhaft erhält. Für den Juli und August ist es ihr gelungen, ein kurzfristiges Praktikum beim Netzwerk People First Deutschland zu organisieren, wo sie an einer Befragung des Landeswohlfahrtsverbandes zum Betreuten Wohnen als betroffene Expertin für das Netzwerk modellhaft mitwirkt. Ab Oktober wird sie jedoch wahrscheinlich wieder «unterfordert» und oftmals «gelangweilt», weil es «oft nichts zu tun gibt», wie sie es formuliert, in der Werkstatt arbeiten müssen, obwohl mit dem Einsatz, der für sie bereitgestellten Mittel andere und passendere Möglichkeiten für sie gefunden werden könnten. «Wir sitzen da oft nur rum, weil wir nichts zu tun haben. Dabei dürfen wir dann nicht mal nach Hause gehen, wo ich dort genug zu tun hätte. Und das spielen von Spielen ist mir auch langsam langweilig», findet die 31jährige Frau. omp
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