21.07.2005
- 08:24
Menschenrechte und Gleichstellung wohnortabhängig.
Von kobinet-Redakteurin Elke Bartz
Wie sehr es darauf ankommt, in welchem Land und an welchem Ort man und natürlich frau lebt, um Menschenwürde und Gleichstellung als selbstverständlich zu erleben, zeigen zwei völlig unterschiedliche Pressemitteilungen des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland (LSVD). Die Lebensqualität behinderter Menschen ist ebenfalls wohnortabhängig.
So protestiert der LSVD gegen das Verbot den Christopher Street Day (CSD) in der lettischen Hauptstadt Riga durchzuführen. Der CSD sollte am 23. Juli stattfinden. Der Rigaer Stadtdirektor Eriks Skapars versuche jedoch dies zu verbieten. Skapars würde die Genehmigung «aus Sicherheitsgründen» zurückziehen.
Am gleichen Tag kann der LSVD die Nachricht verbreiten, dass der kanadische Senat erklärt hat, die Ehe für schwule und lesbische Paare zu öffnen. Damit sei Kanada das 4. Land nach den Niederlanden, Belgien und Spanien, in dem die Bürgerrechte von Lesben und Schwulen voll verwirklicht würden.
Was lesbische und schwule Menschen erleben müssen, ist auch behinderten nicht unbekannt. Wie chancengleich sie leben können, hängt nicht selten vom Wohnort ab. Hat sich eine Kommune Barrierefreiheit auf die Fahnen geschrieben, müssen Rollstuhlbenutzende seltener vor Stufen oder unerreichbaren öffentlichen Verkehrsmitteln stehen bleiben, ist das Überqueren einer Straße für Blinde nicht das tägliche Überlebensroulette. Erkennt das Bundesland das Recht auf integrative Kindergarten- und Schulbesuche an, werden behinderte Kinder und Jugendliche nicht separiert. Wird das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben mit Persönlicher Assistenz unter Menschenrechts- und Chancengleichheits- und nicht unter Kostenaspekten von der Trägern der Sozialhilfe gesehen und die notwendigen Leistungen zur Verfügung gestellt, muss niemand in «Behindertenghettos» mehr leben.
Das Ziel weltweiter Menschenrechtswahrung für ausnahmslos alle Menschen mag noch weit entfernt sein: Der Marsch dorthin ist nicht mehr aufzuhalten.
Leserbriefe zu diesem Artikel:.
Hans-Peter Terno schrieb am 21.07.2005, 15:13
"Gemeinsame Schnittmenge"
Elke bezieht sich auf zwei Pressemitteilungen des LSVD und schreibt, dass nicht nur Homosexuelle, sondern auch Behinderte wohnabhängig Menschenrechte erfahren.
Wie kommt Elke darauf, dass Homosexuelle und Lesben sowie behinderte Menschen unterschiedliche Gruppen sind? Sind alle behinderten Menschen heterosexuell? Nei, eben nicht. Es gibt eine gemeinsame Schnittmenge. Die Menschen, die ihr angehören sind gleich doppelt benachteiligt: sie gehören zwei Minderheiten an und werden von der grösseren Menge (heterosexuelle Behinderte oder nicht behinderte Homosexuelle und Lseben) misstrauisch beäugt und häufig aisgegrenzt. Gerade in Einrichtungen werden behinderte Homosexuelle und Lesben ganzz wohnortunabhängig schikaniert.
Elke hätte also besser einen anderen Aufhänger für ihren ansonsten guten Artikel gefunden.
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