
Jena (kobinet) Die Bundesgeschäftsführerin des Behindertenverbandes Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL), Barbara Vieweg, fordert die VertreterInnen der katholischen Kirche auf, den vom 16. - 21. August in Köln stattfindenden Weltjugendtag auch dazu zu nutzen, um ein Zeichen für eine neue Behindertenpolitik der katholischen Kirche und ihrer karitativen Organisationen zu setzen. Begriffe wie Selbstbestimmung, Teilhabe, Gleichstellung und Wahlfreiheit müssten endlich auch in der kirchlich geprägten Behindertenarbeit und -politik mit Leben gefüllt und der Grundsatz "ambulant vor stationär" konsequent umgesetzt werden anstatt weiterhin in hohem Maße auf die "Betreuung" behinderter Menschen in Sondereinrichtungen zu setzen. "Nachdem es gelungen ist, der barrierefreien Gestaltung von Veranstaltungen beim Weltjugendtag ein hohes Gewicht einzuräumen, bedarf es nun auch eines eindeutigen politischen Signals, der Aussonderung behinderter Menschen durch die bisherige kirchliche Behindertenarbeit entgegen zu treten. Behinderte Menschen wollen ebenso wie alle anderen in der Gemeinde leben und benötigen dringend Alternativen zum Leben in Großeinrichtungen auf der grünen Wiese. Hierfür kann und muss die katholische Kirche und ihre karitativen Einrichtungen viel tun, um mit der Entwicklung in der Behindertenpolitik zu mehr Selbstbestimmung mithalten zu können", erklärte Barbara Vieweg. Vor allem erwarteten viele behinderte Menschen, dass sich die kirchliche Behindertenarbeit eindeutig hinter die Bemühungen der Betroffenen zur Stärkung ambulanter Angebote für behinderte Menschen stellten. "Das Konzept der Behinderteneinrichtungen des 19. und 20. Jahrhunderts hat sich überlebt. Länder wie Schweden und Kanada haben uns längst bewiesen, dass es nicht natürlich ist, dass diejenigen, die Unterstützung benötigen, in sogenannte Heime ziehen müssen, sondern dass die Hilfe auch dort erbracht werden kann, wo die Menschen leben", erklärte Barbara Vieweg. Vom Weltjugendtag erhofften sich daher auch gerade viele behinderte Menschen einen neuen Geist in der kirchlichen Behindertenarbeit. omp