
Berlin / Hollenbach (kobinet) Laut Bericht des Ärzteblattes erhalten Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen keine ausreichende ärztliche Versorgung. Besonders betroffen seien depressive und demenzkranke alte Menschen. Das gelte unter anderem bei der fachärztlichen Versorgung durch Zahn-, Augen- und HNO-Ärzte, sowie der gynäkologischen Betreuung und der Versorgung mit Medikamenten. Die "Studie zur ärztlichen Versorgung in Pflegeheimen" von Dr. med. Johannes Hallauer vom Campus Charité-Mitte und Prof. Dr. Ursula Lehr vom Deutschen Zentrum für Alternsforschung in Heidelberg kamen jetzt zu diesem Ergebnis. Dazu Elke Bartz, Vorsitzende des Forums selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen (ForseA): "Gibt es eigentlich Studienergebnisse, die irgendeinen Bereich bezüglich der ‚Heime' als durchweg gut oder gar sehr gut bewerten? Uns ist keine einziges bekannt. Mal wird die Situation im Pflegebereich mit entsprechend erschütternden Ergebnissen beleuchtet. Dann häufen sich Meldungen, dass behinderte und vor allem alte Menschen nicht genug Nahrung und Flüssigkeit erhalten. Dann wieder werden ‚Pflege erleichternde Maßnahmen' wie Magensonden und Dauerkatheter ohne medizinische Notwendigkeit in großem Umfang aufgedeckt. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Nun ist es also die unzulängliche ärztliche Betreuung. Vor all diesen Hintergründen können wir nicht nachvollziehen, dass 'Heim'plätze nicht schnellstmöglich reduziert, sondern im Gegenteil immer neue geschaffen werden". Es könne angesichts der unzähligen Mängel, die immer wieder aufgedeckt und scheinbar nicht beseitigt werden (könnten), nur die Profitgier vieler Investoren sein, die Menschen ein ‚Leben' im ‚Heim' zumute. "Und es trifft durchaus nicht nur alte Menschen, sondern durchaus auch junge, behinderte, die in ‚Heime' ziehen sollen. Erst heute erreichte mich der Anruf einer verzweifelten Frau Mitte 30, deren Lebensgefährte kürzlich verstorben ist. Dieser hatte die schwerstbehinderte Rollstuhlbenutzerin rund um die Uhr versorgt. Jetzt braucht sie dringend Hilfe, die sie auf jeden Fall ambulant sichern will. Doch das Sozialamt hat ihr schon mitgeteilt, sie solle prüfen, ob ihr nicht ein ‚Heim'aufenthalt zuzumuten sei. Wie muss sich diese Frau fühlen, die ja auch Zeitung liest und Forschungsergebnisse wie das im Ärzteblatt mitbekommt?" hjr