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04.10.2005 - 18:53

Intensiverer Dialog zum Wohl der Patienten.

Erfurt (kobinet) Die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege hält einen intensiveren Dialog aller an der Pflege beteiligten für notwendig. Das ist ein Ergebnis des 4. Pflegefachtages der LIGA, der heute in Erfurt stattfand, wo sich rund 100 Experten von Heimen, Sozialstationen, Aufsichtsbehörden und Pflegekassen trafen.

Von den Anwesenden wurde bemängelt, dass die interdisziplinäre Kommunikation in der Pflege häufig Defizite aufweist und von unterschiedlichen Auffassungen bezüglich der Auswahl von geeigneten Versorgungsmaßnahmen geprägt ist. In den Verbänden der LIGA sind rund 170 Sozialstationen und 155 Pflegeheime organisiert. "Die fachlichen Anforderungen an Pflegefachkräfte sind in den letzten Jahren stetig gestiegen. Dabei steht das Wohl der Patienten und Heimbewohner immer im Mittelpunkt. Doch im Alltag werden die Einrichtungen laufend vor neue Herausforderungen gestellt", heißt es in einer Presseerklärung der LIGA. Christel Matzollek, Leiterin der Seniorenresidenz von Pro Seniore in Gräfenroda beschreibt dies anhand eines Beispiels so: "Mit Einführung der Fallpauschalen in Krankenhäusern hat sich die Verweildauer von Patienten weiter verkürzt. Die Entlassung zurück in die Pflegeeinrichtung erfolgt, obwohl der Heilungs- und Genesungsprozess noch nicht abgeschlossen ist". Zudem werde es immer schwieriger, vor allem in ländlichen Regionen, überhaupt einen Hausarzt für Heimbewohner zu finden.

Von Seiten ambulanter und stationärer Pflegeeinrichtungen wurde auf dem Pflegefachtag betont, dass die Umsetzung neuester pflegewissenschaftlicher Erkenntnisse nur dann erreicht werden kann, wenn das reibungslose Zusammenspiel von Haus- und Fachärzten, Pflegeeinrichtungen und Aufsichtsbehörden funktioniert. Andrea Jauernig, Pflegeexpertin des PARITÄTISCHEN Thüringen beschreibt Problemsituationen: "Wenn ein Arzt beispielsweise eine Wundversorgung verordnet, die neuesten Pflegestandards widerspricht, kann die Pflegekraft nicht einfach gegen seinen Willen die bessere Behandlung durchführen. Die wird aber von den Aufsichtsstellen der Kassen und des Sozialministeriums verlangt und kontrolliert. Diese Irritationen sorgen immer wieder für Konflikte". Die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege schlägt deshalb die Gründung runder Tische vor. Dort sollen Pflegeeinrichtungen, die Pflegekassen, Ärzte und Aufsichtsbehörden der Kassen und das Sozialministerium jeweils aktuell nach Lösungswegen zum Wohle der Betroffenen suchen und diese umsetzen.

Elke Bartz vom Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen (ForseA) kritisierte, dass bereits aufgrund der Presseinformation der LIGA deutlich werde, dass hier wieder einmal über alles geredet worden sei, nur nicht mit den Betroffenen. "Die sind an den Tischen, an denen diskutiert und entschieden wird, nach wie vor nicht erwünscht und werden ganz selbstverständlich vergessen. Eine Politik 'im Sinne der Betroffenen' stellen wir uns anders vor, denn das geht nur mit selbst betroffenen VertreterInnen von Organisationen von behinderten Menschen und PatientInnen und nicht über deren Köpfe hinweg", so Bartz. omp
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