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10.10.2005 - 14:00

Hilfen dort wo wir leben wollen.

Kassel (kobinet) Im Rahmen einer Fachtagung des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen zum stationär begleiteten Wohnen für Menschen mit Behinderungen plädierte der Geschäftsführer von "Mensch zuerst" - dem Netzwerk People First Deutschland, Stefan Göthling, heute in Kassel dafür, dass behinderte Menschen die Hilfen dort bekommen, wo sie leben wollen. "Wir von 'Mensch zuerst' - dem Netzwerk People First Deutschland - wollen, dass behinderte Menschen ihre Hilfen dort bekommen, wo sie leben wollen. Angebote zum Betreuten Wohnen und Persönliche Budgets sind dabei für uns wichtige Schlüssel, um dieses Ziel zu erreichen. Deshalb finde ich es auch gut, dass der Landeswohlfahrtsverband Hessen in diese Richtung verstärkt aktiv wird. Einiges wurde in den letzten Jahren erreicht, viel mehr gibt es aber noch zu tun. Denn immer noch müssen viele behinderte Menschen in sogenannten 'Heimen' leben und haben noch keine andere Möglichkeit. Wir wollen keine weiteren Heime mehr, denn das Wort 'Heim' bedeutet für uns etwas anderes", erklärte Stefan Göthling. Dabei forderte er dazu auf, einmal selbst darüber nachzudenken, wie jeder einzelne gerne wohnen möchte. "Auch wir wollen unsere Wohnungstür hinter uns zumachen können und mal unsere Ruhe haben. Auch wir wollen selbst entscheiden können, was wir wann und wo essen. Auch wir wollen an freien Tagen selbst entscheiden können, wann wir aufstehen und wie wir unseren Tag verbringen. Auch wir wollen selbst entscheiden, wen wir zu uns nach Hause einladen und wen wir nicht um uns herum haben wollen und auch wir wollen einmal kräftig Chaos in unserer Wohnung machen können, ohne dass uns gleich ein Betreuer im Nacken sitzt und unsere Selbstständigkeit anzweifelt", stellte Stefan Göthling klar. Der entscheidende Unterschied von Menschen mit ganz unterschiedlichen Behinderungen zu Nichtbehinderten bestehe jedoch darin, dass diese Hilfe brauchen, um so leben zu können. Deshalb sei es wichtig, dass behinderte Menschen selbst auch mehr Einfluss darauf bekommen, wer sie unterstützt. "Wir möchten also mehr wählen können und das sieht das Sozialgesetzbuch IX ja auch so. Der ehemalige Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Karl Hermann Haack, hat das Persönliche Budget sehr praktisch erklärt. Das Persönliche Budget wäre wie ein Rucksack, in den man die Hilfen, die man braucht, packen kann und dort wohnen und arbeiten kann, wo es für einen selbst am besten passt. So sollten auch die Hilfen für uns behinderte Menschen sein. Wir wollen sie dort bekommen, wo wir leben wollen. Und es sollte nicht so sein, dass wir nur dort leben müssen, wo es die Hilfen gibt, die wir brauchen", so Stefan Göthling. omp 

 
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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Waltraud David schrieb am 10.10.2005, 16:35

Wie Recht hat Stefan!

Auch ich habe schon in "Heimen"(Menschen-Verwahrsanstalten) mein Leben fristen müssen! Was das für einen Menschen bedeutet, das kann wohl keiner richtig nachvollziehen!

Aber auch ich möchte leben und sind wir nicht alle zum Leben geboren worden?
In den sog. "Heimen" werden die Menschen ja nur gleichgerichtet und verwaltet. Das wird auch total teuer bezahlt!

Auch ich möchte frei bleiben und weiter leben dürfen!

Stefan, mach weiter so!

Waltraud David

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