
Von Hans-Peter Terno Mainz (kobinet) Eine Medienkampagne stellt Menschen mit einer offensichtlichen Persönlichkeitsstörung vor. "Du bist Deutschland", tönt es, bzw. "Ich bin Deutschland". Nun frage ich mich, "Wer bin ich?" - "Die USA, Kamerun oder was?" In den Spiegel kann ich nicht schauen, da ich blind bin. So fasse ich mich an: Nur ein Mensch, nicht 84 Millionen, wie Deutschland. Also: "Ich bin ein Mensch, männlichen Geschlechtes, blind, Europäer deutscher Staatsbürgerschaft. Von meinen beiden Heimatorten her definiere ich mich auch als Mainzer und Katalane. Beide letztere Identitäten sind aber eher gefühlt als objektiv. Ich lese keine Anzeigen, höre kein Werbefernsehen oder Radiowerbung und frage mich immer noch: Was verbirgt sich hinter der Botschaft (Du bist Deutschland)? Mein Assistent ist es nicht, mein Blindenführhund ist es nicht, unser Vorstand ist es nicht. Trotzdem bilden wir eine gemeinsame Teilmenge der größeren Menge ZsL Mainz, das wiederum eine Teilmenge von ISL ist, was wiederum eine Teilmenge des Deutschen Behindertenrates ist usf. Steht am Ende dieser Mengenlehre die Menge Deutschland, die doch nur eine Teilmenge Europas ist? Fragen über Fragen. Beweisen diese Fragen, die ich habe, wie dumm es ist, mir als Blinder Gedanken über diese rätselhafte Formulierung "Du bist Deutschland" zu machen? Vielleicht heißt es ja in Zukunft nicht mehr: "Das ist so, als ob Blinde über Farbe reden", sondern "Das ist so, als ob Blinde über Deutschland reden"? So entringt sich endlich ein verzweifelter Schrei meiner Brust: Wer klärt mich auf?! sch