
Kassel (kobinet) Bei der Weiterbildung zum Tourismusberatung zum barrierefreien Reisen, die vom 28.-30. November in Kassel stattfindet, wurde Kritik an der Tourismusbranche laut. Behinderte Menschen fühlen sich von der Touristikbranche noch nicht ausreichend als zahlungskräftige Kundschaft geschätzt. Von den rund 10 Millionen Behinderten in Deutschland machten 60 Prozent Urlaub wie jeder andere auch, teilte Peggy Krusche und Michael Prestel mit. Die beiden Rollstuhlnutzer nehmen an der Weiterbildung teil, die sich über 7 Seminarblöcke erstreckt und im März nächsten Jahres endet. «Eine ganze Reihe von Freizeit- und Reiseangebote sind von Behinderten nach wie vor nur eingeschränkt nutzbar. Behinderte müssen deshalb oft auf teure Spezialanbieter ausweichen. Die Kaufkraft der Behinderten wird von der Branche einfach noch nicht erkannt,» so der Organisator von Behindertenreisen, Michael Prestel aus Berlin. Dabei bedeute für ein Touristikunternehmen jeder verlorene Rollstuhlfahrer auch verlorenes Geld. Behindertengerechte Angebote würden in Zukunft wichtiger, da mit zunehmender Alterung der Bevölkerung auch die Zahl der Urlauber mit körperlichen Einschränkungen steige, betonte Peggy Krusche aus Milmersdorf. Die TeilnehmerInnen der vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten und vom Bildungs- und Forschungsinstitut zum selbstbestimmten Leben Behinderter - bifos e.V. - durchgeführten Weiterbildung betonten jedoch auch die Fortschritte. Es habe sich in den vergangenen Jahren schon eine ganze Menge getan. So gebe es bereits etliche Veranstalter, die in Extra-Broschüren ihre behindertengerechten Hotels und Ferienwohnungen vorstellten, betonte Michael Prestel. Ein Mangel sei jedoch, dass Hotelinhaber ihre Häuser oftmals selber als behindertengerecht deklarierten, ohne vorher das Urteil Betroffener einzuholen, sagte die angehende Tourismusberaterin Peggy Krusche. Mitunter seien die Zimmer zwar den Bedürfnissen Behinderter angepasst worden, der Weg zur Hotelbar aber wegen etlicher Stufen weiterhin unüberbrückbar. Auch so mancher Architekt wisse nicht genügend über wirklich behindertengerechte Ausstattung. omp