
Hamburg (kobinet) Bundesjustizministerin Brigitte Zypries hat einen "kontroversen und konstruktiven Streit mit breiter Beteiligung" über das Thema Sterbehilfe gefordert, zugleich aber jede Form von aktiver Hilfe beim Selbstmord ausgeschlossen. "Den letzten Schritt zum Tod muss der Patient selbst tun - und kein anderer. Hier müssen wir klar sein und sagen: Wehret den Anfängen!", so die sozialdemokratische Politikerin in einem morgen erscheinenden Interview mit der Hamburger Wochenzeitung ZEIT. "Ich meine, dass wir das Sterben wieder mehr als Teil des Lebens begreifen sollten. Zwangsläufig würden wir uns dann auch endlich stärker mit der Hospizbewegung und mit der Palliativmedizin beschäftigen. Das wäre gut so - und auch höchste Zeit", begründet Zypries ihren Vorstoß. Sie beklagt Mängel in der deutschen Palliativmedizin: "Wir müssen sie in Deutschland noch mehr unterstützen und weiterentwickeln, denn im internationalen Vergleich hinken wir hinterher." Die Ablehnung der aktiven Sterbehilfe begründet die Justizministerin unter anderem mit der Gefahr von Missbrauch. "Ich möchte nicht, dass Menschen jemals in eine Lage geraten, wo möglicher Druck von Verwandten oder drohende hohe Gesundheitskosten sie dazu zwingen könnten, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Wer die aktive Sterbehilfe erlaubt, erleichtert solche Situationen", betont Zypries und widerspricht damit dem christdemokratischen Justizsenator Roger Kusch aus Hamburg, der die aktive Sterbehilfe unterstützt. sch