17.12.2003
- 02:34
EU-Jahr klingt klassisch aus.
Von kobinet-Redakteur Ralph Büsing
Berlin (kobinet) Am Dienstagabend haben der Bundeskanzler und der Beauftragte der Bundesregierung für behinderte Menschen zu einem Liederabend in das Bundeskanzleramt eingeladen. Vertreter der Behindertenverbände und –organisationen und einzelne Vertreter der Selbsthilfebewegung haben gemeinsam mit den Politikern das EU-Jahr der Menschen mit Behinderungen ausklingen lassen.
Thomas Quasthoff zeigte mit Liedern von Schubert, Loewe, Wolf und Strauss den geladenen Gästen nicht nur eine große Bandbreite klassischer Musik, sondern bewies wieder einmal, dass er einer der Besten seines Faches ist. Mit dem Lied «Der Genesende an die Hoffnung» wollte Quasthoff zum Ausdruck bringen, dass es den Menschen in vielen anderen Ländern viel schlechter geht als uns. Damit unterstrich er im Verlauf des Abends auch die einleitenden Worte von Gerhard Schröder. Der sagte zu Beginn, dass die Bundesregierung (gerade in Zeiten in denen gespart werden müsse) nicht alle Wünsche von Behinderten erfüllen könne. Darüber hinaus wagte er einen kurzen Rückblick auf seinen Besuch in den Bodelschwingschen Anstalten in Bethel. Dort habe das Motto: «Nichts über uns ohne uns» eine Bedeutung gehabt.
Möglicherweise müssen wir (die Menschen aus der Selbstbestimmt Leben Bewegung) uns selbst den Vorwurf machen, in der letzten Zeit nicht deutlich genug gemacht zu haben, dass nicht überall Selbstbestimmung gelebt wird, wo sie geschrieben steht. Warum haben wir den Kanzler nicht zu uns eingeladen?
Andererseits möchte ich dem Kanzler von dieser Stelle aus versichern, dass die behinderten Menschen in diesem Land nicht möchten, dass ihnen Wünsche erfüllt werden (auch wenn Weihnachten vor der Tür steht). Die Menschen mit Behinderungen in unserem Land erwarten einen Kanzler, der ihnen mit Schulterschluss zur Seite steht, wenn sie einfach nur ihre Bürgerrechte einfordern. sch
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