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kobinet-nachrichten
31.12.2003 - 12:10
URL: http://www.kobinet-nachrichten.org

Kommentar von Ottmar Miles-Paul Kniebis/Schwarzwald (kobinet) Nun neigt es sich also unweigerlich dem Ende zu, das Europäische Jahr der Menschen mit Behinderungen. Blickten diejenigen, die das Jahr prägten, anfangs mit einem gewissen Bangen darauf, ob die geplanten Veranstaltungen und Aktiviäten überhaupt leistbar sind, können wir jetzt sagen: «Wir haben unseren Teil getan». Eine Vielzahl von Tagungen wurden sehr erfolgreich durchgeführt, Kampagnen wurden gestartet und Strategien für eine bessere Behindertenpolitik entwickelt. Mit PolitikerInnen wurde intensiv diskutiert, lange Gesetzesvorschläge studiert und viele Reden gehört. Ja, wir haben unseren Teil getan. Bei allem Frust über die bisher nicht erreichten Ziele und über die Rückschritte, die wir bei der Sozialgesetzgebung sogar hinnehmen mussten, gebührt all denjenigen, die dieses Jahr zum Teil bis an den Rand ihrer Kräfte und Nerven geprägt haben, Respekt für ihr Engagement. Denn genau betrachtet sind wir gar nicht so viele, die sich vom Sofa erhoben haben und sich intensiv in die Behindertenpolitik einmischen, die bereit sind, sich der zum Teil scharfen Kritik auszusetzen, die in diesem Land fast jeden trifft, der sich bewegt und bereit ist, Verantwortung für Andere zu übernehmen, anstatt nur das eigene Wohl im Blick zu haben. Umso mehr wiegt da das Engagement von Personen - wie Elke Bartz, die aus ihrem Wohnzimmer und aufgrund einer Druckstelle sogar zeitweise aus ihrem Bett heraus zusammen mit ihrem Mann Gerhard Bartz agiert hat, um andere behinderte Menschen zu unterstützen und für eine selbstbestimmtere Assistenz zu streiten, - wie Horst Frehe, der die Ruhe seines Sozialgerichtes gegen die Höhen und Tiefen der Ministerialbürokratie eingetauscht hat, um als Leiter der Nationalen Koordinierungsstelle für das Europäische Jahr der Menschen mit Behinderungen dafür zu sorgen, dass behinderte Menschen wirklich gemäß dem Motto «Nichts über uns ohne uns» das Europäische Jahr geprägt haben, - wie Martina Puschke und Brigitte Faber, die mit dem Weibernetz unermüdlich für die Belange behinderter Frauen streiten und sich dafür zum Teil sogar äußerst mühsame Treffen mit den Rehaträgern antun, - wie Andreas Jürgens, Karl Finke und Ilja Seifert, die sich in die Wirren der Parlamente bzw. Parteien begeben, um unermüdlich dafür zu streiten, dass die Gleichstellung behinderter Menschen politisch voran getrieben wird, - wie Uschi Lehmann und ihre Truppe vom Berliner Spontanzusammenschluss, die auch mal auf die Kacke hauen und unkonventionell gegen Ungerechtigkeiten protestieren, - wie Gisela Hermes, die mit der Sommeruni in Bremen ein Projekt mit ihrem Team angepackt hat, das noch lange positiv auf die Behindertenbewegung wirken wird, - wie Stefan Göthling, Josef Ströbl, Petra Groß und die restliche Crew des Netzwerk People First Deutschland, die mit riesigem Engagement für ein selbstbestimmteres Leben für Menschen mit Lernschwierigkeiten streiten und zeigen, wie viel mit der richtigen Unterstützung möglich ist, - wie Susanne Göbel und Angelika Reitz, die eine vorbildliche Arbeit bei der Unterstützung von behinderten Menschen zur Selbstvertretung leisten, - wie Franz Schmahl, Harald Reutershahn, Hubertus Thomasius, Rolf Barthel, Martin Ladstätter, Christiane Link und Ralph Büsing, die durch ihr unermüdliches und rein ehrenamtliches Engagement für die kobinet-nachrichten dafür sorgen, dass Informationen zur Behindertenpolitik und -arbeit unters Volk kommen, - wie Elke Vogel, Winfried Brinkmeier und Eva Ullrich vom Bundesminsiterium für Gesundheit und Soziale Sicherung, wie Rainer Schwarzbach von der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung, wie Christian Berringer, Ulrike Geith und Anke Glasmacher aus dem Büro des Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, die der Behindertenselbsthilfe viele Türen geöffnet haben, - wie Nora Sties, die uns als 18-jährige Rollstuhlfahrerin mit viel Pfiff gezeigt hat, dass wir allen Grund haben, auf die Jugend und die neue Generation in der Behindertenbewegung zu hoffen, - wie Keyvan Dahesch, der durch seine unermüdliche Berichterstattung in den Medien vieles von dem transportiert, was sonst in der Öffentlichkeit ungehört bleiben würde, - wie der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung Karl Hermann Haack, der immer wieder gezeigt hat, dass er auf der Seite der Behindertenselbsthilfe steht und die Bemühungen für ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben behinderter Menschen konsequent voran treibt, - wie Hubert Hüppe von der Bundestagsfraktion der CDU und Markus Kurth von der Bundestagsfraktion der Grünen, denen die Behindertenpolitik weit mehr am Herzen liegt als dass sie in ihrem Arbeitsalltag als Bundestagsabgeordnete sonst einnehmen würde, - wie die rheinland-pfälzische Sozialministerin Malu Dreyer und deren Staatssekretär Richard Auernheimer, deren Herz für die Selbstbestimmung an der richtigen Stelle schlägt und die die Selbstbestimmung behinderter Menschen konsequent voran treiben, - und wie Sigrid Arnade und Hans-Günter Heiden, die nach ihrer jahrelangen harten und äußerst kreativen Arbeit als freiberufliche Geister in der Behindertenszene mit ihrem sechsmonatigen Trip nach Australien gezeigt haben, wie wichtig es ist, dass wir auch mal Luft für neue Taten schöpfen und besser auf uns selbst und unsere Kräfte achten müssen. Diese Personen stehen beispielhaft für viele andere, die es verdient hätten, ebenfalls einmal einen Dank für ihr Engagement zu bekommen, die zum Teil sehr viel Arbeit im Hintergrund fernab des Rampenlichtes leisten, aber ohne deren Arbeit vieles überhaupt nicht möglich wäre. Personen, an die bei unserem kritikbesessenen Alltag oftmals nicht gedacht wird, die aber viel bewegen. Sie und viele andere haben dieses Europäische Jahr der Menschen mit Behinderungen und die Behindertenpolitik in diesem Jahr geprägt und uns wieder ein paar Schritte voran gebracht. Als Marathonläufer weiß ich jedoch, dass es noch sehr viele Schritte sind, bis wir das Ziel zu einer echten Selbstbestimmung und Gleichstellung behinderter Menschen erreichen. Ich weiß auch, dass man dabei immer wieder Rückschläge erleidet, wie wir sie mit den Reformen im sozialen Bereich und dem Stillstand bei der Aufnahme behinderter Menschen in das zu schaffende zivilrechtliche Antidiskriminierungsgesetz dieses Jahr erlitten haben und die die Freude über unsere Aktivitäten auch trüben. Man neigt dann leicht zur Resignation, zum Aufgeben und zum Zynismus. Der olympische Geist und unserer menschlichen Natur gebührt es jedoch, dass wir den Blick nach vorne richten, unser Ziel nicht aus den Augen verlieren und unser möglichstes tun, um für eine Gesellschaft zu streiten, die allen Menschen die größtmögliche Entfaltungsmöglichkeit und Selbstbestimmung zugesteht. In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein schönes und erfolgreiches 2004. omp
Ilja Seifert schrieb am 31.12.2003, 16:47
OMP nennt in seinem Jahresrückblick, in dem er darauf hinweist, daß wir
- die Mitglieder der Behindertenbewegung - u n s e r n Teil zum Gelingen des EJMB 2003 geleistet haben, Namen von Aktiven. Er weiß - wie jede/r von uns -, daß wir gar nicht all zu viele sind, die immer wieder versuchen, Verbesserungen in den Lebensbedingungen a l l e r Menschen, also auch derer mit Beeinträchtigungen zu erarbeiten, zu erkämpfen, manchmal auch zu ertrotzen. Er sagt damit "Danke!" Er macht damit Mut. Er will auch neue Freunde und Mitstreiter/innen gewinnen. Gut, daß er das tut.
In seiner allseits bekannten Bescheidenheit unterläßt er es jedoch, sich selbst zu nennen. Dabei ist Ottmar Miles-Paul einer der Aktivsten der Bewegung! Es ist mir also ein großes Bedürfnis, ihm - und zwar an hervorragender Stelle - für sein jahrzehntelanges Engagement zu danken. Für seine Unverzagtheit. Für seine Kooperationsbereitschaft und -fähigkeit. Für sein Organisationstalent. Und auch für sein persönlich offenes, freundschaftliches Auftreten.
Ottmar: Ohne Dich wären wir alle viel ärmer!
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