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22.12.2003 - 09:02

Studie: Viele behinderte Menschen fühlen sich nicht gleichberechtigt.

Berlin (kobinet) Nur 6 Prozent der behinderten Menschen fühlen sich im öffentlichen Leben gleichberechtigt behandelt. Das ist das Ergebnis einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung und dem Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum Berlin-Brandenburg. Dennoch gaben die meisten Befragten (88 Prozent) an, dem Leben positiv gegenüber zu stehen, teilte das Forschungszentrum in Berlin mit.

Der «Report 2003 – Menschen mit Behinderungen» beruht auf einer Befragung zur sozialen Lage, Wertorientierung und Zufriedenheit von Menschen mit Behinderungen. Befragt wurden im Sommer 2003 rund 1100 behinderte Menschen in ost- und westdeutschen Bundesländern, davon 48 Prozent Frauen.

Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass viele als Ungleichheit und Ungerechtigkeiten empfundenen Lebensverhältnisse von Menschen mit Behinderungen nicht allein und nicht vorrangig aus der Behinderung resultieren. Vielmehr spielten gesellschaftliche Ausgrenzung vom Arbeitsmarkt, Einkommensungleichheit oder fehlende Bildungschancen eine große Rolle.

Männliche behinderte Menschen seien häufig deutlich zufriedener als weibliche Befragte, ergab die Studie. Insbesondere jüngere Menschen bis 30 Jahre sowie Senioren ab 60 Jahre seien sehr zufrieden mit ihrem Leben. Weniger zufrieden seien die 40- bis 49-Jährigen. Das Familieneinkommen spiele bei der Zufriedenheit der Menschen eine besondere Rolle. Auch familiäre Bindungen wie Ehe und Partnerschaft wirkten sich stark auf die allgemeine Lebenszufriedenheit aus. 69 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass Isolierung und Ausgrenzung von Menschen mit Behinderungen zukünftig weiter zunehmen werden.

Die Familie hat für Menschen mit Behinderungen nach Ergebnis der Studie einen besonderen Stellenwert für Integration und Zusammenleben. Für 72 Prozent der Befragten ist die Familie in ihrem Leben sehr wichtig. Hinsichtlich der Formen des Zusammenlebens seien bei behinderten Menschen – ebenso wie bei nicht behinderten Menschen – deutliche Geschlechts- und Altersunterschiede feststellbar: Während Frauen im höheren Alter vielfach alleinlebend seien (82 Prozent), treffe dies für Männer in wesentlich geringerem Maße zu (13 Prozent). 15 Prozent der Befragten gaben an, meistens alleine zu sein. Gerade mehrfach behinderte Befragte sind nach Angaben der Forscher oftmals von Isolierung und Vereinsamung betroffen.

Das durchschnittliche Nettoeinkommen der befragten behinderten Menschen beziffert die Studie 2003 mit 1219, 07 Euro. Behinderte Frauen müssen dabei durchschnittlich mit erheblich weniger Geld auskommen (960,88 Euro) als behinderte Männer (1442,84 Euro).

Es gebe bei den Befragten eine hohe Zufriedenheit mit ihrer Wohnsituation, stellten die Forscher fest (75 Prozent). Jedoch gaben nur 52 Prozent der Befragten an, dass die Wohnung ihren behinderungsbedingten Bedürfnissen entspreche.

Die Entwicklung von Hilfsangeboten für Menschen mit Behinderungen in den letzten fünf Jahren wird von den Befragten überwiegend als gleichbleibend bewertet. Die größte Verschlechterung werde bei der Arbeitsbeschaffung (66 Prozent), finanzieller Unterstützung (54 Prozent), bei Behindertenfahrdiensten (32 Prozent) und in der Pflege (32 Prozent) gesehen. Verbesserungen stellten die Befragten bei der Arbeit der Behindertenverbände (32 Prozent), der Selbsthilfegruppen (29 Prozent) sowie der Werk- und Wohnstätten für behinderte Menschen fest. Öffentliche Verwaltung, Sozial- und Gesundheitseinrichtungen, Bildungseinrichtungen, öffentliche Wege sowie der Öffentliche Personennahverkehr werden im Rückblick auf die vergangenen fünf Jahre von der Mehrheit der Befragten als unverändert beurteilt, was den Abbau von Barrieren für behinderte Menschen betrifft.

64 Prozent der Befragten gab an, Mitglied in einem Sozial- oder Wohlfahrtsverband zu sein. 46 Prozent sind in einem Behindertenverband organisiert. Weit abgeschlagen sind die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft (14 Prozent) sowie Parteien (11 Prozent). 36 Prozent der Befragten arbeitet ehrenamtlich in einem Behindertenverband. Dennoch lehnen 38 Prozent aller Befragten generell eine ehrenamtliche Arbeit ab. Als Hauptmotiv wird die eigene Behinderung angegeben, die eine ehrenamtliche Tätigkeit unmöglich mache (43 Prozent). Immerhin 13 Prozent sind zudem der Meinung, nicht behinderte Menschen sollten diese Arbeit leisten.

Die Befragten räumen den Wohlfahrts- und Sozialverbänden sowie den Behindertenverbänden die höchste Wirksamkeit für die Durchsetzung der Belange behinderter Menschen ein. Bezogen auf einzelne Institutionen, die unmittelbar Einfluss auf die Lebensbedingungen behinderter Menschen haben, gibt es unterschiedliche Wertschätzungen: Immerhin 59 Prozent der Befragten sind mit der Arbeit ihrer Krankenkasse zufrieden. 53 Prozent sagen das über ihren Rentenversicherungsträger. Rund die Hälfte der Befragten ist mit der Arbeit des Versorgungsamts zufrieden. Hohe Unzufriedenheit empfinden die Befragten bei der Arbeit des Medizinischen Diensts sowie dem Arbeitsamt.

Die Erwartungen an die Politik sind im Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen offensichtlich sehr hoch: 73 Prozent der Befragten sind der Auffassung, dass die Bundesregierung etwas für behinderte Menschen tun soll, gefolgt von den Sozial-, Wohlfahrts- und Behindertenverbänden (54 Prozent). Mit Abstand folgen die Länderregierungen und kommunale Institutionen sowie die Familie. cl

Die Studie ist für 18,80 Euro im Buchhandel erhältlich - Gunnar Winkler (Hg.): Menschen mit Behinderungen - Report 2003. Daten und Fakten zur sozialen Lage von Menschen mit Behinderungen in Deutschland. Trafo-Verlag Berlin. ISBN-Nummer: 3-89626-482-6
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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Mirco Dörfler schrieb am 23.01.2005, 14:44

So weit ich Informiert bin ...

werden Behinderte Menschen nicht aus dem Gesetz gestrichen.. das währe mir neu...

Eric Struckmeier schrieb am 23.01.2005, 10:17

Warum behandelt man uns so?

Hallo zusammen!

Mein Name ist Eric Struckmeier. Ich bin 30 Jahre alt und komme aus dem hohen Norden.

Mein Problem kennen bestimmt mehrere.
Ich stoße immer wieder auf Ablehnung und Diskriminierung.

Und das nur, weil ich eeinen GdB von 80 % habe, der von einer Polio-Impfung kommt.

Haben wir Behinderten denn nicht das gleiche Recht auf ein normales Leben! Wir wollen doch auch glücklich sein. Einen Beruf ausüben, er uns Spaß macht und all das machen was andere auch machen.

Ich weiß gar nicht mehr wie viele Bewerbungen ich schon geschrieben habe. Ich mußte immer eine Kopie meines Schwerbehindertenausweises beilegen und bekam immer und immer wieder eine Absage.

Einmal habe ich mal keine Kopie beigelegt und bekam prompt eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Doch spätestens im Gespräch kam die Sprache auf meinen Gesundheitszustand.
Als ich dann meine Behinderung erwähnte, wurde mir gesagt das man mir die Entscheidung mitteilen werde.

Und drei mal darf man raten was in dieser Mitteilung stand!

" Es tut uns leid Ihnen mitteilen zu müssen, daß wir uns für einen anderen Bewerber entschieden haben! "

Das kann doch nicht so weitergehen, oder ?

Habe ich das richtig verstanden, daß Menschen mit Behinderung aus dem Antidiskriminierungsgesetz gestrichen werden sollen?
Oder habe ich da etwas falsch verstanden?

Wenn es wirklich an dem sein sollte, dann sage ich nur eine Sache:


DAS KÖNNT IHR UNS DOCH NICHT ANTUN !!!

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