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kobinet-nachrichten 09.09.2003 - 18:54
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Behinderte tragen Hauptlast der Gesundheits«reform»

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Mainz (kobinet) Betroffenheit und Sorge formuliert Vorstand der «Bundesarbeitsgemeinschaft der Clubs Behinderter und ihrer Freunde e.V.» (BAGC) und seine angeschlossenen Vereine gegenüber der deutschen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) über die Eckpunkte zur Gesundheits«reform». Die besonderen Belange von Menschen mit Behinderungen seien darin lediglich mit einem Satz erwähnt, heißt es in einem Schreiben an die Ministerin, den Kanzler und die Bundestagsabgeordneten. Die BAGC zeigt sich darüber besorgt, dass gerade Behinderte die Hauptlast der Gesundheits«reform» tragen sollen.

«Es gibt sehr viele Menschen, die auf Grund ihrer Krankheiten oder Behinderungen, monatlich mehrere Medikamente benötigen, in aller Regel verfügen sie nur über ein Einkommen weit unter 1.000 Euro monatlich. Sie könnten diese Zuzahlungen nicht aufbringen. Schwerbehinderte, insbesondere schwerkörperbehinderte Personen, die außerhalb der Pflegekassenleistungen für jeden Handgriff - und Hilfestellung zahlen müssen, sind ohnehin mit außerordentlich hohen Kosten belastet», klagt Yvonne Wenner als geschäftführendes Vorstandsmitglied der BAGC.

Neben zahlreichen weiteren Kritikpunkten bemängelt Wenner, dass bei Heilmitteln und häuslicher Krankenpflege eine Zuzahlung von nochmals 10% je einzelner Leistung, plus 10 Euro erhoben werden soll. Es sei zu bedenken, dass davon insbesondere ältere Menschen, die von Sozialstationen, oder von privaten Pflegediensten zu Hause versorgt werden, äußerst hart betroffen würden. Hier werde wahrscheinlich dann in aller Regel eine wesentliche teurere Heimunterbringung unumgänglich sein, so wird befürchtet.

Eine weitere Belastung, so die BAGC, komme auf behinderte Bürger zu, wenn der Zahnersatz ab 2005 privat abgesichert werden müsse. «Wir befürchten, dass gerade Menschen mit Behinderungen, die in Einrichtungen leben oder in sogenannten 'beschützten Werkstätten' arbeiten, sich eine solche Zusatzversicherung unmöglich leisten können. Zudem weisen wir auf ältere Menschen hin, die sich auf Grund ihres Alters wenn überhaupt nur mit höheren Beiträgen für einen Zahnersatz absichern können», heißt es in dem Schreiben der Bundesarbeitsgemeinschaft. Überdies würden Menschen mit Behinderungen in Privatversicherungen kaum aufgenommen, sondern bei bereits vorliegenden Gesundheitsstörungen wegen des erhöhten Risikos abgelehnt. Die BAGC fordert die Vermeidung weiterer Nachteile für behinderte Menschen beim weiteren Gesetzesverfahren. hjr

 

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