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13.01.2004 - 17:00

Der Zivi muss weg.

Kassel (kobinet) Angesichts der aktuellen Diskussion um den Zivildienst forder die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland - ISL e.V. - eine zügige Neuorganisation im Bereich der Pflege. In der Behindertenhilfe werden Zivildienstleistende für praktische Pflegetätigkeiten (Assistenz) meist über Ambulante Hilfsdienste eingesetzt. Dabei handelte es sich überwiegend um Leistungen, bei denen die behinderte Person selbst die Anleitung der eingesetzten Laienhelfer (Zivildienstleistende) übernimmt. Jedoch kann beim Einsatz von Zivildienstleistenden im Bereich dieser Persönlichen Assistenz nach Ansicht der ISL nicht von einem wahren Segen in der Behindertenhilfe gesprochen werden. «Wir bevorzugen vielmehr eine angemessene Bezahlung für Persönliche Assistenten», so Uwe Frevert vom Vorstand der ISL e.V. Wenn man die 1,3 Milliarden Euro, die der Zivildienst im Jahr kostet, für neue Stellen in der Persönlichen Assistenz (Pflege) verwenden würde, könnten mehrere zehntausend Menschen in Lohn und Brot gebracht werden. Dabei sei zu bedenken, dass beim Zivildienst Helfer zum Einsatz kommen, die diese Arbeit nicht aus freien Stücken, sondern als geringeres Übel gewählt haben. Bei Arbeitskräften, die unterbezahlt werden wie Zivildienstleistende, spielen oft Erwartungen an Belohnungen anderer Art eine Rolle, zum Beispiel ein Anspruch auf Dankbarkeit oder die Vorstellung, sein pädagogisches Talent beweisen und einen Behinderten auf Vordermann bringen zu wollen. Ähnlich wie bei ehrenamtlich tätigen Helfern bieten solche Motive keine gesunde Grundlage für eine langfristige Arbeit. «Es versteht sich von selbst, dass ich von jemanden, dem ich einen angemessenen Lohn bezahle, eher Qualität und Respekt abverlangen kann als von jemanden, dem ich mich zu Dankbarkeit verpflichtet fühlen muss,» so der behinderte Leiter vom Ambulanten Hilfsdienst des Verein zur Förderung der Autonomie Behinderter - fab e.V., Georg Riester. In der Diskussion um die bisherige Subventionierung der Pflege durch das Bundesamt für Zivildienst wird völlig außer acht gelassen, dass beim Einsatz von bezahlten Persönlichen Assistenten ca. 40% der Finanzierung in Form von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen an die öffentliche Hand zurück fließen. «Die Behauptung, dass der Wegfall des Zivildienstes teuerer kommt ist falsch, wenn die gesamte Belastung der öffentlichen Hand Berücksichtigung findet», so Uwe Frevert abschließend. omp 

 
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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

werner bitz schrieb am 15.01.2004, 21:38

Forderung «zivi weg» ist bescheuert!

frevert irrt mehrfach:
1) in zeiten, in denen politiker und zuständige behörden unwidersprochen fordern, dass angesichts steigender fallzahlen und explosionsartig steigender kosten der eingliederungshilfe standardsenkungen notwendig sind, für jeden betroffenen seinen persönlichen assistenten zu fordern, ist blauäugig und politisch unverantwortlich!
2) auch für zivis bezahlt der bund in beträchtlichem umfang rentenversicherung und sichert krankenversicherung! die genannten vergleichszahlen bei beschäftigung hauptamtlicher sind deshalb schlicht falsch!
3) selbst wenn in volkswirtschaftlicher gesamtbetrachtung die konversion kostenneutral wäre, geht es für die träger und die betroffenen nie und nimmer auf, denn die seitherige «Subventionierung» des zivildienstes im Bundes-HH wurde ja schon in der Vergangenheit von den zuständigen Ministerinnen als wohlfeile Beute zur allgemeinen HH-Sanierung genutzt! Renate Schmidt ist ja noch nichrt einmal willens, Ihren wohltönenden Erklärungen für mehr Freiwilligkeit eine den höheren Fallzahlen gemäße Erhöhung des FSJ-zuschusses zu vollziehen! Die FSJ-Träger haben dieses Jahr wegen geringerer pro-Kopf-zuschüsse 20% Kostensteigerung zu verkraften!

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