
Mulfingen (kobinet) Von Elke Bartz, der Vorsitzenden des Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen, ist man es gewohnt, dass sie viel unterwegs ist. Mit einer Tour für Menschenwürde in der Pflege hat sie zum Beispiel viele Städte bereist und für eine selbstbestimmte Assistenz für behinderte Menschen geworben. Seit einigen Wochen kann Elke Bartz aus gesundheitlichen Gründen vorerst aber nur aus ihrem Bett heraus agieren und die Welt verändern. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit Elke Bartz, die sich erst vor kurzem einen Laptop organisiert hat, um auch aus dem Bett heraus Zugang zum Internet zu haben: kobinet-nachrichten: Das Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen hat sich in den letzten Jahren zu einer wichtigen Instanz in der Behindertenpolitik und besonders im Bereich der Assistenz behinderter Menschen entwickelt. Welche Aktivitäten stehen zur Zeit an und wo drückt der Schuh? Elke Bartz: Große Besorgnis haben wir in Sachen SGB XII. Hier steht zu befürchten, so es denn Realität würde, dass wir uns vom Bedarfsdeckungsprinzip des Bundessozialhilfegesetzes verabschieden müssten. Die Folgen wären teils dramatische Unterversorgungen auf Assistenz angewiesener Menschen. Damit hätten sie nicht nur gesundheitliche Folgen hinzunehmen. Auch an die viel propagierte Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft wäre nicht mehr zu denken. Für uns bedeutet das, alles machbare zu tun, damit es nicht zu solchen gesetzlich verankerten Rückschritten kommt. Wir wollen nicht mehr zurück ins soziale Abseits gedrängt werden. Vielmehr muss endlich ein Assistenzsicherungsgesetz her, das wirklich einen Paradigmenwechsel vollzieht. Damit wäre der Beweis erbracht, dass hehre Worte von Bürgerrechten, Menschenswürde, Teilhabe und Selbstbestimmung kein «politisches Geschwätz», sondern der manifestierte Wille der politisch Verantwortlichen ist. kobinet-nachrichten: Sie selbst sind ja seit einigen Wochen gesundheitlich angeschlagen und agieren vorwiegend aus Ihrem Bett heraus. Wie gestaltet sich Ihre Situation bzw. wie mischen Sie sich trotzdem in die Politik ein? Elke Bartz: Im Moment ist es nicht einfach, denn ich musste etliche Termine absagen. Doch natürlich gibt es ja noch das Telefon als Kommunikationsmöglichkeit. Und seit ein paar Tagen ist mein Laptop endlich an unser Netz angeschlossen, so dass ich vom Bett aus arbeiten kann. Da sind Internet und E-Mail natürlich das Wichtigste. Ein vollständiger Ersatz für die Anwesenheit und das Mitmischen bei Veranstaltungen ist das natürlich nicht. kobinet-nachrichten: Mit dem Laptop mit Internetanschluss auf dem Bett die Welt verändern. Was würden Sie sich wünschen, damit man gerade behinderten Menschen, die das Haus nicht verlassen können, mehr Mitwirkungsmöglichkeiten einräumen könnte? Elke Bartz: Ähnlich wie in Amerika, wo so etwas schon lange praktiziert wird, sollte es auch in Deutschland möglich sein, behinderte Menschen, die vorübergehend oder wegen der Schwere der Behinderung gänzlich «aus dem Verkehr» gezogen sind, per Telefonkonferenz oder Videoeinspielung an Veranstaltungen teilnehmen zu lassen. Allerdings darf so etwas keinen Alibicharakter bekommen, in dem man dann wieder in nicht barrierefreien Räumen konferiert, oder die behinderten Menschen erst gar nicht zum persönlichen Kommen einlädt. Die Atmophäre und die wichtigen Zwischentöne bekommt man nur mit, wenn man persönlich anwesend ist. kobinet-nachrichten: Was werden Ihre ersten Aktivitäten sein, wenn Sie wieder so richtig das Bett verlassen und die Welt auch wieder in Person erobern können und wie sind Ihre weiteren Pläne für ForseA? Elke Bartz: Jetzt muss ich persönlich leider erst einmal abwarten, bis die leidige Druckstelle verheilt und wieder ausreichend belastbar ist. Das kann noch ein paar Wochen dauern. Ansonsten werden wir, wie vorhergehend schon gesagt, alles tun, damit sich die Situationen assistenznehmender Menschen nicht nur nicht verschlechtert, sondern im Gegenteil verbessert. Außerdem unterstützen wir natürlich wie seither behinderte Menschen wie Uli Lorey und Monika Bach aus Würzburg. Die Beiden müssen gegen die Stadt klagen, denn sie werden aus Kostengründen auf betreutes Wohnen verwiesen. Das bedeutet drohende Unterversorgung, sowie Verlust der Lebensqualität und Selbstbestimmung. Einen solchen Ausschluss aus der Gesellschaft können wir natürlich nicht akzeptieren. Und auch sonst werden wir nicht befürchten müssen, uns künftig über Langeweile zu beklagen. (Das Interview führte kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul)