Für einen guten Zug ist es niemals zu früh

Veröffentlicht am von Harald Reutershahn

Harald Reutershahn
Harald Reutershahn
Bild: kobinet/hjr

Tag für Tag wird uns bewusster denn je: Der Krieg ist in Europa angekommen. Der Horror der US-amerikanischen und europäischen Bomben und Drohnen in Syrien, Afghanistan, Pakistan, Libyen, Irak, Jemen, Somalia ... wird von unseren Regierungspolitikern zur gerechtfertigten Selbstverteidigung erklärt und alles andere Morden zum verabscheuungswürdigen Terror. Horror und Terror. Längst ist der Krieg weltweit. Wer will sich noch einbilden, dass da unsere Städte verschont bleiben? Wie unsäglich dumm ist es, in schwieriger Zeit von Egoshootern regiert zu werden, die an der Spirale von Horror und Terror drehen? Denn eine wirkliche Friedenspolitik erfordert eine Friedenskultur.

Während ich über die Themenlage meiner Kolumne nachdachte, stieß ich auf ein Zitat des US-amerikanischen Historikers George Frost Kennan, der als Diplomat die Erkenntnis hinterlassen hatte: "Mancher, der sich für einen Schachspieler der Weltpolitik hält, ist in Wirklichkeit bloß eine Schachfigur." So kam es dazu, dass ich mich am Ostermontag seit längerer Zeit mal wieder mit Schach beschäftigte.

Und das war ein großes Glück. Denn an diesem Tag wurde eine großartige und mitreißende Schachpartie gespielt in der Begegnung zwischen dem russischen Großmeister Sergej Alexandrowitsch Karjakin und dem US-amerikanischen Großmeister Fabiano Caruana. Karjakin ist 25 Jahre alt und wurde bereits im Alter von zwölf Jahren Schachgroßmeister. Der jüngste Großmeister aller Zeiten. Der 23-jährige Caruana wurde mit 14 Jahren Schachgroßmeister. Bereits vier Jahre zuvor hatte er als jüngster Schachspieler aller Zeiten in den USA gegen einen Großmeister gewonnen. "Einige seiner Pokale sind größer als er", hatte die "New York Times" berichtet.

Die Brisanz dieses Spiels: Es ist die letzte Partie in der 14. Runde des Kandidatenturniers in Moskau, bei dem der Sieger im November in New York als Herausforderer des 25-jährigen Norwegers Magnus-Carlsen gegen den amtierenden Weltmeister zum Titelkampf antreten wird. Ich war per Schach-Liveticker im Internet dabei und fieberte mit bei dem, was dort geschah.

Karjakin und Caruana lagen in der Turnierwertung vor ihrer Partie gleichauf. Beide hatten 7,5 Punkte auf ihrem Konto. Bei einem Remis hätte Karjakin das Turnier trotz Gleichstandes gewonnen, weil er trotz gleicher Punktzahl in der Feinwertung mehr Partien gewonnen hatte. Caruana musste also diese Partie gewinnen. Und gleich vom ersten Zug an hatte er deshalb eine verwegene Eröffnung gewählt. Der Russe musste sich mit großer Mühe und Konzentration gegen die geschickten Offensivzüge des US-Amerikaners verteidigen. Zug um Zug schien es in den vier Stunden des Partieverlaufs eine Frage der Zeit zu sein, bis sich Karjakin dem mächtigen Druck seines Kontrahenten Caruana beugen musste.

"Konzentration! Karjakin stützt seinen Kopf in beide Hände. Nur ein Ohr, halb eingeklemmt, schaut noch hervor. Es leuchtet rot in Richtung Publikum. Er tauscht ein paar Figuren ab, um den schwarzen Angriff zu bremsen. Caruana tut, was er kann, um ihn am Laufen zu halten", beschreibt einen Tag danach die ZEIT in fiebriger Spannung das aufregende Spiel. Ab dem 30. Zug geht es rund. Karjakin versucht alles, um ein Remis zu halten. Unter großem Druck gibt er Caruana einen Bauern hin, und der Amerikaner schlägt diese Figur, weil er sonst in einen Stellungsnachteil gerät. Und dann kommt der Hammer. Karjakin opfert im 37. Zug einen Turm!

Was macht er denn da? - fragen sich Millionen, die weltweit gebannt im Internet dieser aufregenden Partie zuschauen. Wenn dieser tollkühne Opferzug gelingt, dann ist Caruana völlig unerwartet erledigt. Wenn nicht, dann hat Karjakin alles verloren. Caruana hat nur noch 8 Sekunden auf der Uhr, als er das Turmopfer annimmt. Jetzt gibt es für beide keinen Weg mehr zurück. Karjakins weiße Figuren scheinen plötzlich alle in Bewegung geraten zu sein, drohen dem schwarzen König mit Matt, und Caruana findet in seiner Überraschung keinen Ausweg mehr. Im 42. Zug gerät sein König in Schach, es gibt keine vernünftige Fluchtmöglichkeit, und Caruana gibt auf.

Sergej Alexandrowitsch Karjakin ist der Herausforderer des Weltmeisters Magnus-Carlsen. Die Schachwelt darf gespannt sein auf eine hochspannende WM-Begegnung der beiden jungen Super-Großmeister am 11. bis 30. November 2016.

Im Schach ist jetzt die Generation 1990 an der Macht. Jetzt fehlen nur noch die jungen Frauen, dann kann vielleicht eine alte Welt zu Ende gehen, und die junge Welt ist am Zug. Jugendstil. Hoffentlich nicht nur in der Schachwelt.

Hier die Notation des Spiels:

14. Runde des Kandidatenturniers
Moskau
28. März 2016

Weiß: Sergej Alexandrowitsch Karjakin
Schwarz: Fabiano Caruana

1. e4 c5 2. Sf3 Sc6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 Sf6 5. Sc3 d6 6. Lg5 e6 7. Dd2 a6 8. O-O-O Ld7 9. f4 h6 10. Lh4 b5 11. Lxf6 gxf6 12. f5 Db6 13. fxe6 fxe6 14. Sxc6 Dxc6 15. Ld3 h5 16. Kb1 b4 17. Se2 Dc5 18. Thf1 Lh6 19. De1 a5 20. b3 Tg8 21. g3 Ke7 22. Lc4 Le3 23. Tf3 Tg4 24. Df1 Tf8 25. Sf4 Lxf4 26. Txf4 a4 27. bxa4 Lxa4 28. Dd3 Lc6 29. Lb3 Tg5 30. e5 Txe5 31. Tc4 Td5 32. De2 Db6 33. Th4 Te5 34. Dd3 Lg2 35. Td4 d5 36. Dd2 Te4 37. Txd5 exd5 38. Dxd5 Dc7 39. Df5 Tf7 40. Lxf7 De5 41. Td7 Kf8 42. Td8

Wer kein Schachbrett zuhause hat, der kann diese Partie im Internet nachspielen unter:

https://de.chessbase.com/post/karjakin-wird-carlsens-herausforderer

oder im Schach-Liveticker unter:

http://www.spox.com/de/liveticker/schach-live-ticker/fabiano-caruana-sergey-karjakin-2016-03-28.html

Schon Albert Einstein wusste: "Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt." Und wenn sie nichts Vernünftiges zu tun hatten, ist den Schachfiguren langweilig geworden und sie sind weggehüpft.

 

Lesermeinungen zu “Für einen guten Zug ist es niemals zu früh” (6)

Von Sphinx

Die usa und die, die es im dortigen gesellschaftlichen System 'nach Oben' gespült hat, gehen nach dem Motto vor: 'Und willst Du nicht mein Freund sein (d.h., willst Du nicht machen, was ich will), schlage ich Dir den Schädel ein.'

Diesem Motto gemäß wird in Deutschland und werden in anderen europäischen Ländern bereits die Sozialsysteme amerikanisiert. Auch hier die Fuß(ab)tritte und Fußabdrücke der usa. Das würde nie gehen, wenn auf deutscher Seite und in den anderen europäsichen Ländern nicht den usa und deren Anti-Lebenskultur Nacheifernde sitzen, schalten und walten würden.

Von Sphinx

Es bräuchte dringend noch mehr Whistle Blower aus den usa und es bräuchte dringend einen Weltboykott der usa, die Unkultur der usa boykottieren, die Wirtschaft, einfach alles.

Das Schulsystem der usa scheint derart verkommen zu sein, wenn nun solche "Ärzt/innen" aus dem (Hoch)schulsystem hervorgebracht werden, die manisch und völlig unkritisch die Militarisierung und Dauerüberwachung der zivilen Gesellschaft fordern, dann ist auch das Bildungssystem (einschließlich das an den Hochschulen und Universitäten) in den usa zutiefst und weitreichend moralisch und auch sonst in jeder Hinsicht verkommen zu sein, dass man es am besten einstampfte.

Offensichtlich werden in den usa nur die Menschen gesellschaftlich 'nach Oben' gelassen, die sich dem manischen Weltherrschaftswahnanspruchsdenken und Weltherrschaftswahnanspruchshandeln auf jeden Fall und in jeder Sekunde kritiklos unterwerfen und aus dieser Unterwerfungsposition heraus handeln.

Solche Leute mit Weltherrschaftsanspruchsgebaren müssen gesellschaftlich geächtet und auf lange Zeit isoliert werden, damit sie zur Besinnung kommen und keinen Schaden (mehr) anrichten.

Von Sphinx

Passend zu den militärischen Verbrecher/innen aus den usa eine längeres Feature aus der ARD-Infonacht vom 02. zum 03. April 2016.

Hier wurde heute (Sonntag, den 03. April 2016), offensichtlich aus Anlass der bevorstehenden, diesjährigen Hannover-Messe, eine us-amerikanische Ärztin einer Universität in (Südkalifornien?) interviewt, die forderte, dass bereits Babies ein Chip unter die Haut eingepflanzt werden muss und Soldaten ebenso. Bei Soldaten sei das wichtig, um ihre militärische Einsatzfähigkeit jederzeit unter Kontrolle zu haben.

Die drehen völlig an der Uhr, die us-amerikaner/innen. Offensichtlich gehen von den usa und den us-amerikaner/innen, gleich, wo die auf der Welt sich befinden, sämtliche Unruhen und Unruheherde aus.

Die interviewte Ärztin passt mit ihren Aussagen in die Aussagen, die ich in dem wissenschaftlichen Weltgeschichtswälzer in einer Buchhandlung über die usa (Eigenaussage, da Zitat, der usa) gelesen hatte, nämlich, dass die von sich zutiefst halten und überzeugt sind, Gotteskrieger und Weltenretter zu sein.

Das wiederum ist auch inhaltlicher Gegenstand vieler us-Fernsehserien, wie StarWars, Enterprise und wie der Mist nun immer heißt und der Mist auch nun immer ist.

Die Größenwahnsinnigen sitzen also in den usa.

Jede Huldigung (die am meisten in Deutschland von Merkel und der BundesreGIERung ausgeht) für die usa ist eine Huldigung des Grand Provocateurs (usa) zuviel.

Von Sphinx

Zu meinem ersten Leserbrief:
Deutschland hat große Mitschuld an den kriegerischen Unruhen in der Welt, da Deutschland treudoof den usa noch in jeden Krieg gefolgt sind.
Treudoofes Folgen in jeden us-Krieg wird noch mehr von den usa (gleichsam eines störrischen Kleinkindes, denn über Kleinkind-Niveau ist die usa nie hinaus gekommen) den Europäer/innen abverlangt werden, wenn TTiP, TISA und CETA Gültigkeit erlangt haben werden.

Von Sphinx

https://store.globalresearch.ca/
Der wohl gefährlichste Mann der Welt, da er als Erster die us-amerikanischen Weltkriege auf'm Papier geplant hat:
https://de.wikipedia.org/wiki/Zbigniew_Brzezi%C5%84ski

Wenn nun niemand mehr den us-amerikaner/innen treudoof folgt, bleiben die kriegstreiberischen us-amerikaner/innen allein zurück. Und allein, ohne Unterstützung durch die Treudoofen können die us-amerikaner/innen Kriege nicht gewinnen.

Leider ist es mir nicht möglich, den Buchtitel mitzuteilen, da ich diesen nicht in Erinnerung habe. In einer größeren Buchhandlung in Deutschland lag ein dicker, wissenschaftlicher Wälzer über Weltgeschichte. Interessiert las ich das eine und andere Kapitel in dem Wälzer. Im Kapitel zur us-amerikanischen Geschichte und Politik wurde ein us-amerikaner mit den Worten zitiert, dass die usa sich auf der ganzen Welt andauernd in heiligen Kriegen befänden.
So kommt es einem auch vor: fanatische Kriegstreiber/innen, die gegebenenfalls, wenn sie selber zu feige sind, ihre 'heiligen' Kriege zu führen, Dritte zum Führen 'heiliger' Kriege anstacheln und hetzen.

Von Sphinx

Zur Verknüpfung von Schach und Krieg, siehe
http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/USA/nach-bush.html
http://tazelwurm.de/wp-content/uploads/2015/02

Wenn 'man' das Buch gelesen hat, wird einem / wird einer bewusst, WER hier der tatsächliche Provokateur ist:
Merkels Lieblingsland usa!
Deutschland hat also große Mitschuld an den kriegerischen Unruhen in der Welt.

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