Ein langer Weg zur eigenen Wohnung

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Marianne Münz
Marianne Münz
© kobinet/omp

Bad Kreuznach (kobinet) Einen langen Weg zur eigenen Wohnung und zum Leben mit Persönlicher Assistenz hat Marianne Münz aus Bad Kreuznach hinter sich. Sie hat es aber geschafft und sie wünscht sich vor allem, dass mit Hilfe gesetzlicher Regelungen zur sozialen Teilhabe auch anderen behinderten Menschen ermöglicht wird, selbstbestimmt zu leben.

"32 Jahre habe ich in einer großen Behinderteneinrichtung gelebt. Jetzt lebe ich seit mehr als einem Jahr in einer eigenen barrierefreien Wohnung. Dort werde ich von meinen Assistentinnen und Assistenten unterstützt. Ich wünsche mir, dass viel mehr Menschen mit Behinderung in ihrer eigenen Wohnung leben könnten."

So beschreibt Marianne Münz ihren Weg zu mehr Selbstbestimmung in einer kleinen Sammlung von Beispielen, die Ottmar Miles-Paul kürzlich für das Gespräch des Deutschen Behindertenrates mit Angela Merkel gesammelt und der Bundeskanzlerin als Beleg dafür, dass wir in Deutschland dringend ein Gesetz zur Sozialen Teilhabe benötigen. Im Rahmen des von der Aktion Mensch koordinierten Europäischen Protesttages für die Gleichstellung behinderter Menschen findet übrigens am 3. Mai um 9.00 Uhr in der Jugendherberge Bremen eine Pressekonferenz des Forums behinderter Juristinnen und Juristen statt, bei der der überarbeitete Gesetzesentwurf für ein Gesetz zur Sozialen Teilhabe vorgestellt wird.

Lesermeinungen zu “Ein langer Weg zur eigenen Wohnung” (3)

Von Pollis

ich finde es spitze das du das duchbekommen hast mach weiter so

Von behindertenrecht

Manchmal fehlen einen wirklich die Worte, über was sich der Merkostenvorbehalt im SGB stellt .
Wenn es im Einzelfall unzumutbar ist und damit auch nicht dem Wohle entspricht, stellt sich die Frage , was für einen Zweck die Heimversorgung dann erfüllen soll .
Wenn ein Mensch auf 1:1 Versorgung angewiesen ist, was in der stationären Versorgung nicht gegeben ist, ebenfalls .

Von Kroll

Sehr geehrte Frau Münz, ich freue mich sehr für Sie, dass Sie in Ihrer eigenen Wohnung mit Hilfe von Assistenz ein selbstbestimmtes Leben führen können, wie es u.a. § 1 SGB IX und Art. 19 UN-BRK garantieren. Leider wird das Wunschrecht von Menschen mit Behinderungen in der Verwaltungspraxis dann häufig von Sozialleistungsbehörden beschnitten, wenn es gem. der §§ 9,13 SGB XII mit unverhältnismäßigen Mehrkosten einhergeht. Für diesen Fall werden Menschen mit Behinderungen gegen ihren Willen gezwungen, trotz § 1 SGB IX sowie Art. 19 UN-BRK in einer stationären Einrichtung zu leben.
Das Sozialamt der Stadt Oldenburg will einen im Jahre 1967 geborenen behinderten Menschen, der seit Februar 2007 in einer Behinderten - Wohngemeinschaft in Oldenburg wohnt und sich dort wohl fühlt, gegen seinen Willen und ungeachtet einer vom Gerichtsgutachter festgestellten Unzumutbarkeit eines Wechsel in eine stationäre Einrichtung gegen seinen Willen nach 7 Jahren erfolgreich geführter gerichtlicher Eil- und Beschwerdeverfahren dennoch mit Hinweis auf unverhältnismäßige Mehrkosten in eine stationäre Einrichtung abschieben. Zwar hat das Sozialgericht Oldenburg dem Wunschrecht des behinderten Menschen im Rahmen einer Hauptverhandlung am 09.04.2013 entsprochen. Die vehemente Gegenwehr des Sozialamtes und eine mögliche Berufung der Behörde gegen das positive Urteil des Klägers lässt aber befürchten, dass der behinderte Kläger über weitere Jahre in großer Unsicherheit leben muss (näheres wäre nachzulesen unter http://www.behindertemenschen.de/betreutes-wohnen.html).
Es ist an der Zeit, dass das Wunschrecht von Menschen mit Behinderungen, die nicht in einer stationären Einrichtung wohnen möchten, nicht am - unbedingt zu reformierenden - Mehrkostenvorbehalt scheitert und das bisherige nationale Recht (§§ 9,13 SGB XII) an das höherrangige Recht der seit dem 26.03.2009 in Kraft getretenen UN-Behindertenrechtskonvention (Art. 19 UN-BRK und Wegfall des Mehrkostenvorbehalts) angepasst wird, damit auch andere behinderte Menschen wie Sie ein selbstbestimmtes Leben führen können.
Alfred Kroll, Oldenburg

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