Noch 84 Tage bis zur Bundestagswahl

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Gerhard Bartz
Gerhard Bartz
Bild: ForseA e.V.

Mulfingen-Hollenbach (kobinet) Auch wenn Gerhard Bartz sich nicht viel von der Bundestagswahl verspricht, die heute in 84 Tagen stattfindet, wird er seine Stimme abgeben. Und dies obwohl das Wahllokal in seinem Dorf nicht barrierefrei erreichbar ist und er sich schon seit Jahren darüber ärgert. Im Gespräch mit kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul schildert der Vorsitzende des Forums selbstbestimmte Assistenz behinderter Menschen (ForseA) die Probleme mit seiner Assistenzfinanzierung, die ihn zum Schluß führen, dass es ihm eigentlich egal sein könnte, von wem er diskriminiert wird.

kobinet-nachrichten: Gibt es bei euch im Dorf ein barrierefreies Wahllokal?

Gerhard Bartz: Das Wahllokal befindet sich im ersten Stock des ehemaligen Rathauses, für mich als Rollstuhlnutzer unerreichbar. Vor jeder Wahl denke ich daran, dass das nicht mehr geht und dass man einfach eine Änderung fordern müsste. Aber dann regnet es in Strömen und ich gehe nicht aus dem Haus. Dann habe ich mich selbst um mein Wahlrecht gebracht.

kobinet-nachrichten: Weshalb wählst du und was möchtest du mit deiner Stimmabgabe erreichen?

Gerhard Bartz: Ich wähle, weil ich durch Nichtwählen garantiert die falschen pushen würde. Ansonsten bin ich ratlos. Ich möchte mit meiner Stimmabgabe erreichen, dass sich eine Partei oder Koalition der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen ehrlich annimmt. Wenn ich sehe, was schwarz-gelb in dieser Richtung nicht unternommen hat und rot-grün in den entsprechenden Ländern ebenfalls unterlässt, sollte man fast den Rat eines Würfels hinzuziehen.

kobinet-nachrichten: Was macht dich so unsicher?

Gerhard Bartz: Die Tatsache, dass sowohl die Sozialdemokraten als auch Bündnis90/Grüne im Bund tolle Papiere aufgelegt haben und in den Ländern, in denen sie regieren, davon nichts zu spüren ist. Die Länder haben die Gestaltungshoheit über das SGB XII und nutzen diese nicht. Sie schieben die Autonomie der jeweiligen Sozialhilfeträger vor und lassen die nach Herzenslust schalten und walten. Das erfahre ich derzeit im grün-roten Ländle schmerzhaft am eigenen Leib, für meine Assistentin erhalte ich aus nicht nachvollziehbaren Gründen seit Oktober keine Kostenerstattung mehr und muss diese einklagen. Mit anderen Worten, eigentlich könnte es mir egal sein, von wem ich diskrimiert werde. Ich habe eh keine Wahl ....

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