Terror der 'Normalen' brechen

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Theresia Degener bei ihrer Aktion zum Abschluss der Pride Parade
Theresia Degener bei ihrer Aktion zum Abschluss der Pride Parade
Bild: H.-Günter Heiden

Berlin (kobinet) "Wir sind bunt und frech!" In dieser kurzen Formel fasste Prof. Dr. Theresia Degener all das zusammen, was sich gestern bei der ersten Pride Parade in Deutschland zeigte. Als Beweis zertrümmerte sie nach ihrer beeindruckenden Rede auf der Abschlusskundgebung am Kottbusser Tor per Fuß ein Holzbrett mit der Aufschrift "Terror der 'Normalen'". Das betonte heute die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL), die auf ihrer Webseite die Rede von Theresia Degener dokumentiert.

"Es ist höchste Zeit", so Degener, "die Verschleierung und Legitimierung von Menschenrechtsverletzungen an Behinderten durch das medizinische Modell zu enttarnen. Sondereinrichtungen für Behinderte sind keine Schonräume sondern Apartheid. Mitleid mit Behinderten ist keine Tugend, sondern Dominanzverhalten. Zwangsbehandlung ist keine Therapie, sondern Traumatisierung!"

Während des Marsches selber sprach sich Degener am ISL-Megaphon auch für das Gesetz zur Sozialen Teilhabe des Forums behinderter Juristinnen und Juristen aus. "Der Artikel 19 der UN-Behindertenrechtskonvention gibt allen Menschen das Recht ihren Wohnort und die Wohnform selbst zu bestimmen", so die Menschenrechtsaktivistin. "Eine Prüfung auf Einkommen und Vermögen bei einem hohen Bedarf an Assistenz wirkt diesem Recht entgegen und ist unzulässig".

Die Existenz dieser diskrimierenden Rechtsvorschrift war längst nicht allen Teilnehmenden an der Pride Parade bekannt, wie ISL-Geschäftsführerin Dr. Sigrid Arnade berichtet. "Wir haben ja mit unseren Plakaten und T-Shirts auch auf die Petition zum Recht auf Sparen aufmerksam gemacht und wir wurden von vielen angesprochen, was damit eigentlich gemeint sei", sagt Arnade. "Als sie dann von der 2600-Euro-Grenze erfuhren, waren sie zu Recht empört." Arnade begrüßte diese erste Pride Parade und hofft auf noch beeindruckendere Züge in den nächsten Jahren: "Es wird höchste Zeit, dass wir auch in Deutschland auf der Straße beweisen, dass aus Scham Stolz werden kann und muss!"

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