Noch 42 Tage bis zur Bundestagswahl

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Keyvan Dahesch und Trude Simonsohn
Keyvan Dahesch und Trude Simonsohn
Bild: AG SPAK Verlag

Frankfurt am Main (kobinet) Für den blinden Journalisten Keyvan Dahesch, über den Christian Mürner vor kurzem eine Biografie veröffentlicht hat, ist die Glaubwürdigkeit der KandidatInnen für die kommende Bundestagswahl in sechs Wochen besonders wichtig. Vor allem legt er großen Wert auf die Achtung des im Grundgesetz verankerten Sozialstaatsprinzips.

kobinet-nachrichten: Als politischer Mensch wirst du bestimmt bei der Bundestagswahl am 22. September wählen gehen. Wie machst du das als blinder Mensch?

Keyvan Dahesch: Meine stark sehbehinderte Frau und ich werden mit persönlicher Assistenz per Brief-Wahl wählen.

kobinet-nachrichten: Was ist für dich bei der kommenden Bundestagswahl besonders wichtig?

Keyvan Dahesch: Glaubwürdige, an der Sache orientierte und realisierbare Aussagen.

kobinet-nachrichten: Was würdest du den Bundestagskandidatinnen empfehlen, wenn sie dich fragen würden?

Keyvan Dahesch: Glaubwürdig zu handeln, die Barrieren in den Köpfen abzubauen und das in Artikel 20 Grundgesetz unveränderbar festgelegte Sozialstaatsprinzip zu realisieren.

kobinet-nachrichten: Für dieses Interview hast du dir ein besonderes Bild ausgesucht.

Keyvan Dahesch: Mit einem der vier Bilder, die auf meinen Wunsch für meine Biografie "Mit Fingerspitzengefühl - Biografie eines Blinden" von Christian Mürner gemacht wurden, möchte ich als jemand, der im Iran aufgewachsen ist, ein Zeichen für jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger setzen. Das Bild zeigt mich mit der 91-jährigen Ausschwitz-Überlebenden ehemaligen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt, Trude Simonsohn. Sie ist sozusagen meine Ordensschwester, weil sie wie ich die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt erhalten hat. Sie war mit ihrem Ehemann in Theresienstadt und wurde zur Vernichtung nach Ausschwitzt gebracht. Hätten die russischen Soldaten das Konzentrationslager nicht am 27. Januar 1945, sondern nur eine Woche später befreit, wären Frau Simonsohn und ihr Ehemann nicht mehr am Leben! Heute geht die 91-jährige Frau immer noch in die Schulen und klärt über die NS-Greueltaten auch gegen Menschen mit Behinderungen auf. Das zeigt, wie wichtig es ist, dass wir uns stets wachsam und engagiert gegen jede Form von Haß und Menschenrechtsverletzungen wehren müssen.

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