Persönliche Assistenz ist selbstbestimmtes Leben

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Foto von Dr. Corina Zolle
Foto von Dr. Corina Zolle
Bild: ForseA e.V.

Worms (kobinet) Für Dr. Corina Zolle bedeutet Persönliche Assistenz ein selbstbestimmtes Leben. Mit diesem Motto referiert die stellvertretende Vorsitzende des Forums selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen (ForseA) am 24. August bei einer Veranstaltung von Mobil mit Behinderung (MMB) in Worms über das Thema Persönliche Assistenz und notwendige Gesetzesänderungen.

"Für Nichtbehinderte sind es Selbstverständlichkeiten: Selbst zu bestimmen wann man am Wochenende aufsteht, die Toilette benutzt, einkaufen geht oder spontan Freunde besucht. In Pflegeheimen werden solche Dinge vom Personal entschieden - unserem Grundgesetz entspricht das nicht", heißt es in der Ankündigung für die Veranstaltung. "Assistenz muss nach Umfang und Qualität so gestaltet sein, dass genauso wie bei Nichtbeeinträchtigten die Verfolgung eigener, selbst gesetzter Ziele und Interessen möglich ist. Dazu gehört eine selbstgewählte Umgebung (Wohnung) mit selbstbestimmtem Tagesablauf. Wesentlich ist auch eine umfassende Teilnahme am Leben der Gemeinschaft, in einer Familie oder Partnerschaft zu leben, einen Beruf auszuüben, Veranstaltungen und Freunde zu besuchen, eben alles, was ein Leben lebenswert macht."

Schaut man allein auf die Rechtslage, ist unsere Gesellschaft in Sachen Selbstbestimmung auf einem guten Weg. Die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verbieten Benachteiligung aufgrund von Behinderung und zielen auf selbstbestimmte Teilhabe in allen Lebensbereichen. Das Sozialgesetzbuch IX wurde geschaffen, um "Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft für behinderte und von Behinderung bedrohte Menschen zu fördern". Doch die gelebte Wirklichkeit sieht ganz anders aus, schreibt Mobil mit Behinderung in der Veranstaltungsankündigung. "Grund ist, dass verschiedene Rehabilitationsträger – also Versicherungen, Arbeitsagentur, Sozialamt – für die Belange von Menschen mit Behinderung zuständig sind und Antragsteller sich immer mit mehreren Sachbearbeitern auseinander setzen müssen. Bestes Beispiel ist das Persönliche Budget. Ein trägerübergreifendes pauschales Budget gibt es nur sehr selten, da die Reha-Träger zu wenig zusammenarbeiten. Behindertenverbände beklagen zudem, dass Entscheidungen über Anträge zum Persönliche Budget häufig verzögert bearbeitet werden. Politik und Kostenträger setzen immer noch auf das Heim als erste Wohnform", so der Ankündigungstext für den Vortrag von Dr. Corina Zolle.

Mobil mit Behinderung und die Selbsthilfegruppe Mobiltreff Worms lädt zum Vortrag am 24. August im Caritas Senioren & Pflegezentrum Burkhardhaus, Berggartenstr. 3, in 67547 Worms um 14:00 Uhr ein.

Lesermeinungen zu “Persönliche Assistenz ist selbstbestimmtes Leben” (2)

Von Katrin Westenweller

Sehr geehrte Frau Zolle,

wie Recht sie doch haben. Ich lese täglich ihre Beiträge bei Facebook. Ich frage mich wie viele der Betroffenen stellen erst garnicht einen Antrag. Ich selber gebe offen und ehrlich zu, nach vielen Anträgen, Gutachten und Diskussionen wird man müde wieder einen Antrag zu stellen. Die Angst vor Ablehung, die Einschüchterung im Vorfeld die man erlebt hat, bewegen einen es lieber zu lassen, obwohl es ein Recht eines jeden ist.

Ich hoffe wir lernen uns mal persönlich kennen, denn ihren Einsatz finde ich bewunderswert- danke das es Sie gibt.

Katrin Westenweller

Von Leo Eberle

Sehr geehrte Frau Zolle,

ihnen kann ich nur zustimmen, obwohl mir nur euin Arm fehlt und nicht auf Assistenz angewiesen bin.

Ich könnte mir nicht vorstellen immer auf jemanden warten zu müssen, das ich mal an die frische Luft kann oder in ein Kino gehen zu können.

Ich bin davon nicht betroffen, aber danke Ihnen für Ihre Mühen, damit es anderen behinderten Menschen besser geht.

Damit auch Sie bald nach Ihren eigenen Vorstellungen leben können.

Mit freundlichen Grüßen

Leo Eberle

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